Teilgeständnis der Angeklagten: "Habe mit dem Messer nicht zugestoßen"
Nach einem bewaffneten Überfall auf ein Rentner-Ehepaar in Ochsenfurt (Kreis Würzburg) hat die Täterin zum Auftakt des Prozesses vor dem Würzburger Landgericht einen Großteil der Vorwürfe gestanden. Angeklagt ist die 60-jährige Friseurmeisterin aus Marktsteft (Kreis Kitzingen) wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Sie soll im Verlauf des etwa einstündigen Überfalls einem damals 79 Jahre alten Mann ein Messer in Tötungsabsicht in die Brust gestochen haben. Den Überfall gab die Angeklagte zu, die Messerattacke nicht: "Ich habe nicht zugestoßen", sagte sie am Dienstag vor dem Schwurgericht.
Zu der Verletzung des Rentners soll es nach Angaben der Angeklagten bei einem Gerangel um das Jagdmesser gekommen sein, mit dem sie am Abend des 26. Januar 2009 die Herausgabe eines größeren Geldbetrages erzwingen wollte. Grund waren fast 400.000 Euro Schulden der früher erfolgreichen Geschäftsfrau, die sich bereits zum fünften Mal vor Gericht verantworten muss: "Ich hatte meinen wirtschaftlichen Absturz vor Augen und brauchte dringend Geld", sagte die Friseurmeisterin.
Im Februar 2006 war sie wegen gewerbsmäßigen Betrugs - unter anderem hatte sie eine Cousine um rund 85.000 Euro gebracht - vom Landgericht Würzburg zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden (wir berichteten). Das damalige Betrugsopfer kam bei einem ungeklärten, vermutlich vorsätzlich gelegten Feuer ums Leben. Dafür hatte die heute 60-Jährige aber ein wasserdichtes Alibi.
Im November 2007 wurde sie auf Bewährung entlassen, im Oktober 2008 wegen Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung zu 43.200 Euro (720 Tagessätze von 60 Euro) Geldstrafe verurteilt, die sie derzeit an Stelle der Untersuchungshaft absitzt. Das Rentner-Ehepaar aus Ochsenfurt kannte sie schon lange: "Ich hielt sie für wohlsituiert", so die 60-Jährige. In Geldnot fühlte sie sich, obwohl sie damals 1.000 Euro Krankengeld im Monat erhielt und sich regelmäßige Flüge nach Spanien oder zu ihrem Ehemann nach Italien leisten konnten.
Nicht gerechnet hatte die Angeklagte mit dem heftigen Widerstand des heute 81-jährigen Rentners, als sie mit einer schwarzen Perücke auf dem Kopf, einem Schal oder einem Strumpf vor dem Gesicht und dem Messer in der Hand in die Wohnung eindrang. Durch die mutige Gegenwehr des Mannes ("Ich bin mit beiden Fäusten auf sie losgegangen") kam es zu einem Gerangel, in dessen Verlauf die Angeklagte den Mann auch mit einem Telefonkabel gewürgt haben soll.
Das streitet die Friseurmeisterin ab, ebenso wie einen vorsätzlichen Messerstich. Neben der knapp drei Zentimeter tiefen Stichverletzung, bei dem durch glückliche Umstände keine lebenswichtigen Organe verletzt wurden, wurde dem Rentner die Schulter ausgekugelt. Er leidet noch heute an körperlichen und psychischen Folgen der Tat und fordert 100.000 Euro Schmerzensgeld von der Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.




