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Missbrauch in der Kirche: "Den Betroffenen zeigen, dass man sie ernst nimmt"

2010-07-05 @ 12:16 in Lokales

Gut besuchte Diskussion im Burkardus-Haus. Foto (c) P.WötzelEinen weiteren Schritt bei der Aufarbeitung der zahllosen Missbrauchsfälle in ihren Einrichtungen hat die Diözese Würzburg am Mittwoch gemacht: Dekanat und Domschule hatten zu einer Podiumsdiskussion geladen, in deren Verlauf die Taten und ihre Folgen für Betroffene und die Kirche offen und sachlich diskutiert wurden.

"Es ist wichtig, in jedem einzelnen Fall ganz genau hinzusehen und dabei auch das Umfeld der Betroffenen, aber auch der Täter einzubeziehen", sagte Dr. Karl Hillenbrand, der Generalvikar der Diözese.

Immer noch gibt es in der Kirche Menschen, die die Probleme lieber aussitzen als lösen wollen, berichtete Hillenbrand vor gut 120 Zuhörern: "Ich halte es für töricht, wenn ich aus den eigenen Reihen höre: Das wird schon irgendwann vorüber gehen."

Nur Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit im Umgang mit den Missbrauchsfällen werde der katholischen Kirche helfen, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, so der Generalvikar.

Hillenbrand, Kitz, Schellenberger, Kirchner, Müller. Foto (c) P.WötzelZunächst sei es wichtig, jede einzelne Tat genau zu dokumentieren, aufzuklären und so zu bestrafen, wie es das Strafgesetzbuch vorsieht, sagte die Kinderärztin Dr. Christa Kitz. Sie sieht die Missbrauchsfälle auch als Chance, "am System Kirche zu rütteln und einen neuen Weg gehen zu lernen".

Den von sexueller Gewalt durch Priester Betroffenen - das Wort "Opfer" wird von vielen negativ empfunden - bietet der Beirat für Missbrauch in der Diözese Hilfen an: Ärzte, Psychologen und Therapeuten stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und wollen den Betroffenen helfen, den für sie richtigen Weg für die Aufarbeitung ihrer schlimmen Erlebnisse zu finden.

Auch über einen Entschädigungsfonds für Betroffene sexueller Gewalt wird derzeit nachgedacht. Damit müsse man aber sensibel umgehen, so Hillenbrand: "Sonst besteht die Gefahr, dass die Entschädigung in der Öffentlichkeit als Schweigegeld hingestellt wird. Unser Schwerpunkt liegt auf therapeutischer Hilfe." Laut Kitz unter den derzeit 88 gemeldeten Fällen in der Diözese Würzburg ohnehin nur wenige, die sich eine materielle Entschädigung wünschen: "Die meisten wollen nur, dass ihnen zugehört und geglaubt wird, damit ihre Scham ein Ende hat."

Das ist für Diplom-Psychologin Elisabeth Kirchner von "Wildwasser e.V." nichts Neues: "Auch in unserer Beratungsstelle werden wir von Frauen immer wieder gefragt, ob wir ihnen glauben. Die Kirche muss den Betroffenen zeigen, dass sie sie wirklich ernst nimmt." Und sich außerdem der Frage stellen, welche ihrer auf einer strengen Hierarchie aufgebauten Strukturen Sexualstraftaten begünstigen, so Kirchner.

Der Theologe und Psychotherapeut Dr. Wunibald Müller ist überzeugt, dass die Kirche die Opfer in den Mittelpunkt stellt. Aber auch die Täter haben Anspruch auf einen anständigen Umgang, so Müller: "Man darf nicht vergessen, dass viele von ihnen selbst sexuell missbraucht wurden." Ein Weg, weitere Missbrauchstaten zu verhindern, liegt laut Müller in einer strengeren Auslese und einer verbesserten Ausbildung der Priester-Kandidaten: "Wer zum Priester geweiht werden will, muss sich der Macht seiner Sexualität bewusst sein."

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