"Therapie hilft ihnen und schützt ihre Mitmenschen"
Angeklagt war sie wegen versuchten Mordes, verurteilt wurde sie wegen gefährlicher Körperverletzung: weil sie eine Wasserflasche und eine Milchpackung ihrer Mitbewohnerin mit einem Schmerzmittel versetzt hat, muss eine 23-Jährige aus Würzburg für 2 Jahre und 8 Monate ins Gefängnis. Die Angeklagte hat angegeben, die wirkung des Schmerzmittels Tilidin an ihrer 20-jährigen Untermieterin ausprobiert zu haben, weil sie selbst möglichst schmerzfrei aus dem Leben scheiden wollte.
Dass sie ihr Leben nie richtig in den Griff bekam, hat die 23-Jährige auch einer „emotional instabilen Persönlichkeitsstörung mit Boderline-Symptomatik“ zu verdanken. Die Erkrankung ist aber nicht schwer genug, um ihre Steuerungsfähigkeit bei diversen Straftaten einzuschränken odder gar aufzuheben. „Sie hätte es auch lassen können“, bestätigte der psychiatrische Sachverständige. Drei monate vor dem Giftanschlag wurde die junge Frau zu zehn Monaten mit bewährung verurteilt, weil sie einer alten Frau im Pflegeheim Geld gestohlen hatte. Sie muss damit rechnen, dass die Bewährung widerrufen wird und sie auch diese strafe absitzen muss.
Sowohl beim Diebstahl als auch beim Giftanschlag hat sie „die Arg- und Wehrlosigkeit ihrer Opfer dreist ausgenutzt“, betonte der Vorsitzende des Schwurgerichts: „Sie handelte hinterhältig, boshaft und gemein.“ Das genaue Motiv für Vergiftung der Milch blieb auch nach zwei Verhandlungstagen weitgehend unklar. „Ich weiß selbst nicht, was mit mir los ist“, schrieb die Angeklagte aus der Untersuchungshaft an ihre Mutter.
Dass sie den Tod der 20-jährigen Studentin wollte oder billigend in Kauf nahm, sei ihr nicht nachzuweisen, so der Vorsitzende. Die Mitbewohnerin bereitete sich mit der vergifteten Milch einen Milchkaffee zu und litt anschließend unter starker Übelkeit, Herzrasen und Kreislaufbeschwerden. Laut rechtsmedizinischem Gutachten war die Menge des Medikaments zu gering, um eine Gesundheitsbeeinträchtigung zu bewirken. Der Vorsitzende empfahl der 23-jährigen, sich schon in der Haft um eine Therapie zu bemühen: „Das hilft ihnen und schützt ihre Mitmenschen.“




