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Noch ein "Tanzclub" im Alten Kranen?

2010-01-12 @ 17:46 in Lokales

Neue Tanzclub-Location? Foto (c) P.WötzelBewohner der Würzburger Innenstadt machen mobil gegen nächtliche Ruhestörungen: Über 40 Bürger haben kürzlich die Bürgerinitiative (BI) „Altstadt“ gegründet, um sich gegen die Auswüchse im Umfeld mehrerer Diskotheken, Clubs und Gaststätten in ihrer Nachbarschaft zur Wehr zu setzen.

Dabei geht es den Bürgern weniger um die Gastronomie-Betriebe selbst, sondern um die jungen Leute, die vor allem in der warmen Jahreszeit zwischen den Clubs und Diskotheken auf der Straße unterwegs sind oder vor den Eingängen unter freiem Himmel feiern.

Nach Ansicht der BI-Aktivisten ist zwischen einer so genannten „Lounge“ in der Augustinerstraße und einer Diskothek in der Gerberstraße eine Art „Partymeile“ entstanden, die von Frühjahr bis Herbst an mehreren Tagen in der Woche für Lärmbelästigungen bis in die frühen Morgenstunden sorgt.

Der Weg zwischen beiden Tanztempeln führt vorbei an der mit Gastronomie ebenfalls gut bestückten Unteren Juliuspromenade, wo künftig ein weiterer „Tanzclub“ im ehemaligen „Haus des Frankenweins“ entstehen soll. Dadurch befürchten die Betroffenen eine Zunahme der Belästigungen, die sie schon jetzt als „unerträglich“ bezeichnen.

Ihnen geht es nicht nur um den nächtlichen Lärm, sondern auch um die Hinterlassenschaften der zumeist angetrunkenen „Party People“: Die Verschmutzungen durch Urin und Erbrochenes seien oft nur mit dem Dampfstrahler zu entfernen, klagen Hauseigentümer. „Unsere Innenstadt droht zu verwahrlosen“, sagte einer von ihnen bei der Gründungsversammlung der BI.

Eine Aussage, der Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) energisch widerspricht: „Von einer Verwahrlosung der Innenstadt kann keine Rede sein.“ Der OB hat einen „Zielkonflikt" zwischen den Gastronomen, ihren Gästen und den betroffenen Anwohnern ausgemacht.

Zusammen mit der Polizei und im Dialog mit den Diskotheken-Betreibern will das städtische Ordnungsamt versuchen, die Probleme in den Griff zu bekommen. Unter anderem will Alexander Hoffmann, neuer Leiter des Fachbereichs „Allgemeine Bürgerdienste“, dem Vorwurf der Anwohner nachgehen, an verschiedenen Stellen der Innenstadt werde bis in die frühen Morgenstunden Alkohol zu günstigen Preisen auf der Straße verkauft.

Gespräche des Ordnungsamts mit den Gastronomen seien bisher konstruktiv verlaufen, so Hoffmann. Wer sich quer stellt, dem drohen rechtliche Schritte im Bußgeld- oder Verwaltungsverfahren. Ordnungsreferent Wolfgang Kleiner führt die von der Polizei bestätigte Zunahme von Ruhestörungen auf die Abschaffung der Sperrzeiten und das Nichtraucherschutzgesetz zurück, das dazu geführt hat, dass Raucher ihrem Laster unter freiem Himmel nachgehen.

Nachdem die betroffenen Bürger zunächst auf Konfrontationskurs gingen und Polizei und Behörden Untätigkeit vorwarfen, setzt die Bürgerinitiative jetzt auf den Dialog mit der Stadt und den Gastronomen: „Wir wollen versuchen, einen Konsens zu finden. Auch die Gastronomie soll leben, aber die Betreiber müssen sich an die Auflagen halten“, erklärt BI-Sprecher Bernd Mars. Bei einer Bürgerversammlung am 23. Februar können die betroffenen Anwohner ihre Beschwerden dem OB und seinen Referenten persönlich vortragen.

Hintergrund: Gastronomie am „Alten Kranen“

Bis Ende 2008 beherbergte das historische Zollgebäude, beim „Alten Kranen“ direkt am Ufer des Mains gelegen, 18 Jahre lang das „Haus des Frankenweins“. Nachdem sich der Fränkische Weinbauverband in ein Gewerbegebiet zurückgezogen hat, übernahm die Würzburger Hofbräu vor einem Jahr das Gebäude und begann mit den Umbau-Arbeiten zum „Main-Wirtshaus“ mit Außengastronomie. Im Untergeschoss ist ein „Tanz-Club“ geplant, der den Anwohnern Sorgen bereitet. Erst nach Erstellung eines Schallschutz-Gutachtens und Überprüfung durch das Umweltamt soll im Stadtrat erneut über das Projekt beraten werden.

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