Untaugliche Beschlussvorlage zum Oeggtor
Seit nunmehr sechs Jahren plant die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) eine neue Linie vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt und das Frauenland zum künftigen Gelände der Landesgartenschau (LGS) und den neuen Stadtteil am Hubland. Am heutigen Mittwoch (21. März) soll der Umwelt- und Planungsausschuss die wichtige Entscheidung treffen, ohne die das Planfeststellungsverfahren nicht durchgeführt werden kann: Die Stadt soll in der Frage der umstrittenen Schließung des historische Oeggtors an der Residenz endlich Farbe bekennen.
Ohne eine eindeutige Aussage über die Sperrung des Rennwegs für den Autoverkehr will die Regierung von Unterfranken nicht mit dem von der WSB längst beantragten Planfeststellungsverfahren loslegen. Dass die Entscheidung nicht schon lange getroffen wurde, obwohl die überwiegende Mehrheit des Stadtrats für die neue Straßenbahnlinie ist, liegt hauptsächlich an der CSU: Die 18-köpfige Fraktion ist mit den bisherigen Gutachten über die Auswirkungen einer Schließung des Oegg-Tors auf den Verkehr nicht zufrieden und fordert genauere Prognosen.
Die soll Verkehrsgutachter Manfred Michael vom Braunschweiger Büro WVI bei der Sondersitzung des Planungsausschusses heute ab 16 Uhr vorlegen. Der Verkehrsexperte hat dem Stadtrat eigentlich schon im Frühjahr 2010 und im vergangenen Mai auch noch einmal nachgewiesen, dass eine Schließung des Oeggtors, das derzeit von rund 14.000 Fahrzeugen pro Tag passiert wird, kaum spürbare Auswirkungen auf den Autoverkehr haben wird.
Michael prognostizierte damals eine moderate Zunahme im gesamten Straßennetz, „ohne unverhältnismäßige Steigerung der Fahrzeiten“. Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto, größtes Sorgenkind der CSU, wäre demnach kaum beeinträchtigt.
Umso mehr sorgt der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung für die heutige Sitzung (Beginn um 16 uhr im Ratssaal) für Verwunderung und Kritik: Darin findet sich nämlich keineswegs die von der Regierung geforderte klare Entscheidung über die künftige Verkehrsführung an der Residenz.
Vielmehr soll der Ausschuss entscheiden, dass das Oeggtor bis zur Inbetriebnahme der Straßenbahn offen bleibt und in dieser Zeit die Auswirkungen einer einseitigen und kompletten Sperrung in mehrmonatigen Testphasen ausprobiert werden. Eine solche Lösung zum jetzigen Zeitpunkt würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fertigstellung der neuen Straßenbahnlinie rechtzeitig vor der LGS im Jahr 2018 verhindern.
„Wenn die Vorlage so beschlossen wird, ruht das Planfeststellungsverfahren“, so Matthias Pilz, Aufsichtsratsvorsitzender der WSB und Grünen-Fraktionschef im Stadtrat. Er hat mit seinen Kollegen Wolfgang Scheller (CSU) und Udo Feldinger (SPD) einen Änderungsantrag eingebracht, der eine dauerhafte Sperrung des Rennwegs/Oeggtors für den KfZ-Verkehr beinhaltet. Das fordert auch der Verkehrsclub Deutschland: „Sonst bekommt Würzburg unter Umständen keine Fördermittel mehr“, so der stellvertretende VCD-Kreisvorsitzende Werner Raithel-Groß.
Pilz will heute Nachmittag auch erreichen, dass nicht der 15-köpfige Umwelt- und Planungsausschuss den Oeggtor-Beschluss fasst, sondern der Stadtrat in seiner Sitzung am 29. März: "So eine wichtige Entscheidung muss vom Plenum getroffen werden."
Und so ist es gelaufen.
550 LäuferInnen beim 18. Gedächtnislauf
Es geht weiter aufwärts mit dem Gedächtnislauf von Würzburg nach Gemünden: Bei schönstem Frühlingswetter versammelten sich am Samstag gut 550 Teilnehmer im Rathaus-Innenhof zur 18. Auflage. Dass sie zunächst ohne Absperrungen durch die enge Langgasse und über die Alte Mainbrücke laufen mussten, war kein Problem: Beim Gedächtnislauf wird der erste Kilometer ohnehin gemeinsam und langsam zurückgelegt – im Gedenken an die Bombennacht des 16. März 1945, als tausende Würzburger die Stadt verließen, um auf dem Land Zuflucht zu finden.
Nach dem Platz am Vierröhren-Brunnen, dem Bierzelt des Frühjahrs-Volksfestes und dem Talavera-Schlößchen im vergangenen Jahr ist der Innenhof des Rathauses der vierte Startplatz für den Gedächtnislauf, der von Erich Kunkel 1995 anläßlich des 50. Jahrestags der Bombardierung Würzburgs ins Leben gerufen wurde. „Das ist ein guter Startpunkt. Damit wird der Gedächtnislauf eng an die Stadt geknüpft“, sagte Oberbürgermeister Georg Rosenthal, der als Schirmherr um Punkt 11 Uhr das Startsignal gab.
Seit die Laufgemeinschaft Würzburg und Kolping Mainfranken vor zwei Jahren die Organisation übernommen haben, erlebt der Gedächtnislauf eine Renaissance: 2010 gingen 330 Läufer an den Start, 2011 waren es 465. Mit 430 Voranmeldungen und rund 120 Nachmeldungen am sonnigen Samstag nahmen 550 Läuferinnen und Läufer am 18. Gedächtnislauf teil. „Damit sind wir natürlich sehr zufrieden, wir rechnen mit einem Rekord-Spendenergebnis“, so Organisationschef Christoph Hofmann von der LG Würzburg. An Stelle von festen Startgebühren entscheidet beim Gedächtnislauf jeder Teilnehmer selbst über die Höhe seiner Spende. Den Erlös des Gedächtnislaufs verteilt Kolping an bedürftige Familien in der Region.
Besonders erfreut sind Hofmann und seine Mitstreiter darüber, dass nicht nur Läufer aus Unterfranken, sondern aus ganz Deutschland am Start waren. So zum Beispiel zwei Frauen und vier Männer von der LT Hemsbach bei Heidelberg, unter ihnen der 58-jährige Wolfgang Rühl, der zum ersten Mal dabei war. Seine Gedächtnislauf-erfahrenen Vereinskolleginnen Ulrike Trostmann und Andrea Hertinger hatten ihm von der schönen Strecke entlang des Mains nach Gemünden berichtet. „Es gibt nichts Schöneres, als im Frühling zu laufen“, so Rühl, für den die gut 44 Kilometer nach Gemünden freilich nur ein leichter Aufgalopp für einen 47-Kilometer-Berglauf einen Tag später in den Vogesen war.
Wie immer beim Gedächtnislauf hatten die Teilnehmer mit Margetshöchheim (10 Kilometer), Himmelstadt (21 Kilometer), Karlstadt (28 Kilometer) und Gemünden vier Zielorte entlang der Strecke zur Auswahl. Organisatorisch lief alles bestens, mit einer Ausnahme: In Margetshöchheim gab es einen Engpass bei der Getränkeversorgung. „Das müssen wir bei so warmen Temperaturen in Zukunft besser machen“, so Hofmann. Mit 185 hatten sich die meisten Teilnehmer für Karlstadt als Ziel entschieden, die komplette Strecke bis nach Gemünden liefen 80 Frauen und Männer.
Der Sieger war keine Überraschung: Gerald Lehrieder von der LG Würzburg gewann zum inzwischen neunten Mal, allerdings nicht alleine: Lehrieder und der Ungar Adam Zahoran hatten sich unterwegs entschlossen, gemeinsam ins Ziel zu laufen. Sie benötigten 3 Stunden, 9 Minuten und 50 Sekunden für die 44 Kilometer. Schnellste Frau war Carolin Meyer vom City Studio Wöhrle in 3:24:26 Stunden.
Ergebnisse
Würzburger Stadtrat fordert bessere Lebensbedingungen in der Asylbewerber-GU
Einig wie nur ganz selten war sich der Würzburger Stadtrat am Donnerstagabend: Einstimmig hat das Gremium der Verlängerung des Nutzungsvertrags für die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber (GU) in der ehemaligen Emery-Kaserne im Stadtteil Dürrbachau zugestimmt.
Es handelt sich dabei um ein rein politisches Signal: Da der bis Mitte 2015 verlängerte Vertrag zwischen der Regierung von Unterfranken und dem Bund als Eigentümer der Kaserne besteht, war die Zustimmung der Stadt gar nicht erforderlich. Eine Arbeitsgruppe, in der alle sieben Fraktionen des Stadtrats beteiligt waren, hatte nach Gesprächen der Stadt mit der Regierung über die Situation in der GU einen Forderungskatalog aufgestellt. Ziel der einzelnen Punkte ist es, die Lebensbedingungen der GU-Bewohner dauerhaft zu verbessern.
Der wichtigste Punkt: Die Regierung soll dafür sorgen, dass berechtigte Personen Wohnraum außerhalb der Kaserne finden. Außerdem sollen künftig nicht mehr als 400 Asylbewerber in der GU untergebracht werden (aktuell sind es rund 450, etwa 100 von ihnen dürften ausziehen, finden aber außerhalb keine Wohnung). Der Stadtrat fordert weiterhin bessere sanitären Anlagen, dauerhaft zugängliche Gemeinschaftsräume, Unterbringung der Bewohner maximal in Drei-Bett-Zimmern, Verlängerung der Besuchszeiten und Verbesserungen bei der Lebensmittel-Versorgung. Ende Januar hatte der Suizid eines Asylbewerbers aus dem Iran zu Protesten gegen die Lebensbedingungen in der GU - einer der größten in Bayern – geführt.
Daraufhin kam es zu Gesprächen zwischen Stadt und Regierung über die Lebensbedingungen in der GU. Der Stadtrat will seinen Forderungskatalog als „Würzburger Erklärung“ verstanden wissen. „Der Ball liegt jetzt bei der Regierung“, sagte Silke Trost von den Grünen. Alt-OB Jürgen Weber kritisierte, dass die Regierung bei der Unterbringung der Asylbewerber außerhalb der Kaserne keine Wohnungen anmietet, sondern die gemeinsame Unterbringung in Pensionen anstrebt.
(More)
Kritik am geplanten Feuerwehr-Bootshafen
Den auf den Mainwiesen in der Nähe der Kläranlage geplanten Übungs-Hafen für die Würzburger Feuerwehrschule hat der Bund Naturschutz kritisiert.
Der Bootshafen samt seinem 3,50 Meter breiten Zufahrtsweg führe auf einer Länge von 100 Metern zu einem Verlust von wertvollen Gehölzen im Uferbereich, so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Würzburger BN-Kreisgruppe.
Außerdem müssten für die Zufahrt Bäume gefällt werden, durch diesen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild sei der Verlust von Niststätten geschützter Vogel- und Fledermausarten zu erwarten.
Der BN kritisiert außerdem, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde und beklagt den Verlust wertvoller Naherholungsflächen auf den Mainwiesen: „Der Grüngürtel wäre unwiederbringlich durchschnitten“, so Jodl.
Der Freistaat plant im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Würzburger Feuerwehrschule am Mainufer ein 80 Meter langes, 30 Meter breites und 2 Meter tiefes Hafenbecken mit Slip-Anlage, an der fünf Feuerwehrübungsboote gleichzeitig anlegen können.
Die Anlage ist ein reiner Übungshafen für die Bootsführer-Ausbildung, die künftig für ganz Bayern zentral in Würzburg stattfinden soll. Mit dem Bau der 2,25 Millionen Euro teuren Hafenanlage soll im kommenden Jahr begonnen werden.
Würzburg: Ehemalige jüdische Mitbürger eingeladen
Im vergangenen Jahr wurde in Würzburg mit dem „Weg der Erinnerung“, an dem über 3.000 Menschen teilnahmen, an die in die Vernichtungslager deportierten Juden aus Unterfranken gedacht (wir berichteten). Im April nun holt die Stadt „etwas nach, das wir schon eine Generation früher hätten machen sollen“, betont Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD): Ehemalige jüdische Bürger der Domstadt, die vor den Nationalsozialisten geflohen sind oder das KZ überlebten, wurden zu einem einwöchigen Besuch eingeladen.
Rosenthal und die Organisatoren vom Arbeitskreis „Wir wollen uns erinnern“ freuen sich über Zusagen von 26 Personen aus aller Welt, alle im Alter zwischen 80 und 93 Jahren. Sie kommen aus den USA (17), Israel (6), Argentinien (2) und Uruguay (1) und werden Mitte April in Würzburg zu Gast sein. Einige kommen mit einer Begleitperson, andere bringen ihre Kinder und Enkel mit, um ihnen ihre Geburtsstadt zu zeigen. Insgesamt wurden 83 Personen eingeladen.
Rotraud Ries Leiterin des Johanna-Stahl-Dokumentationszentrums für jüdische Geschichte in Unterfranken, berichtete von den Schwierigkeiten, aus verschiedenen Quellen die Adressen der früheren jüdischen Bürger zu recherchieren. Einfacher wurde es, „als die jüdische Presse in den USA darauf aufmerksam wurde“, so Ries, die auch einen Suchaufruf in einem israelischen Radiosender startete.
Die ehemaligen Würzburger werden Würzburg vom 16. bis 23. April besuchen. Am 18. April verlegt Gunter Demnig 18 Stolpersteine im Stadtgebiet, mit denen an Verwandte der Besucher, die in den Vernichtungslagern starben, erinnert wird. Auch ein Besuch des jüdischen Gemeindezentrums „Shalom Europa“ sowie Besichtigungen der jüdischen Friedhöfe in und außerhalb Würzburgs stehen auf dem Programm. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Europäische Ethnologie und Völkerkunde der Universität Würzburg will das Johanna-Stahl-Zentrum außerdem Video-Interviews mit den Zeitzeugen aufzeichnen, um ihre Erinnerungen für künftige Generationen zu erhalten.
Messerstiche überlebt, dann im Main ertrunken
Nicht zum ersten Mal hat ein 27-jähriger Würzburger im vergangenen Mai bei einer Auseinandersetzung unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol zum Messer gegriffen. Doch bei dem aktuellen Fall war es nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass sein Opfer nach mehreren lebensbedrohlichen Stichen in den Bauch noch gerettet werden konnte. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung wurde der Angeklagte am Freitag vom Landgericht Würzburg zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Das Opfer konnte vor Gericht nicht mehr gehört werden: Sechs Wochen nach der Messerattacke im Würzburger Ringpark ertrank der 33-Jährige im Main. Er hatte am 27. Juni mit Freunden am Mainufer getrunken. Als die Getränke ausgingen, schwamm eine Frau durch den 130 Meter breiten Fluss zu einem gegenüberliegenden Supermarkt. Als ihr auf dem Rückweg die Kraft ausging, sprang der Mann mit über 2 Promille Alkohol im Blut ins Wasser, um ihr zu helfen, und konnte sich abschließend selbst nicht mehr ans Ufer retten.
Zu den lebensgefährlichen Stichen am Abend des 14. Mai 2011 kam es, weil sich der 33-Jährige bei einem Streit zwischen der Ex-Freundin und der Schwester des Angeklagten auf die Seite der Ex-Freundin geschlagen hatte. Zwei Tage lang bedrohten und beleidigten sich alle Beteiligten immer wieder am Telefon, dann entschied sich der Angeklagte, die Sache „von Mann zu Mann“ mit Messern zu regeln. Beide Männer verabredeten sich an einer Stelle im Ringpark. Als der Angeklagte eintraf, waren dort über 20 Personen, hauptsächlich junge Frauen, zu einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung versammelt.
Abseits dieses Geschehens trafen die beiden Männer aufeinander. „Es war ausgemacht, dass er auch ein Messer hat“, sagte der Angeklagte. Doch der 33-Jährige hatte lediglich eine Bierflasche in der Hand. Worte wurden keine mehr gewechselt, statt dessen stach der Angeklagte mehrmals zu und verletzte den älteren Mann lebensgefährlich in der Bauchgegend. Dann trennten sich die Wege: Der 27-Jährige ging in eine Kneipe und warf auf dem Weg dorthin sein Klappmesser in einen Gulli. Der Verletzte schleppte sich zum Studentenhaus und wurde dort von Passanten gefunden, die die Rettungskräfte alarmierten.
Ein glücklicher Umstand auch für den Angeklagten: „Sonst wären sie jetzt ein Totschläger“, betonte der Vorsitzende des Schwurgerichts. Der 27-Jährige, der nie eine Ausbildung gemacht hat und seit Jahren entweder im Gefängnis saß – er ist mehrfach einschlägig vorbestraft – oder in einer Notunterkunft für Obdachlose wohnte, stand bei der Tat unter dem Einfluss von Alkohol und Amphetamin und war daher in seiner Schuldfähigkeit erheblich eingeschränkt.
Auch das nicht zum ersten Mal: Schon einmal bekam er die Chance, eine Therapie im Bezirkskrankenhaus in Lohr zu machen, brach sie nach kurzer Zeit ab saß lieber mehr als drei Jahre Haft bis zum letzten Tag ab. Auch im aktuellen Fall hat das Schwurgericht seine Unterbringung in der Entziehungsanstalt angeordnet: „Wenn das wieder schiefgeht, dann sage ich ihnen voraus, dass sie in der Sicherungsverwahrung landen werden“, sagte der Vorsitzende.
Bruder totgeschlagen: 10 Jahre und 6 Monate Gefängnis
„Vergeltung und Abrechnung“ waren das Motiv, als ein Winzer aus Dettelbach (Kreis Kitzingen) am Abend des 27. Januar 2011 mit brachialer Gewalt in die Wohnung seines Bruders eindrang, den 58-Jährigen vor sich hertrieb und schließlich mit einer Eisenstange erschlug. Wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung hat das Würzburger Landgericht den 55-Jährigen zu 10 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt. „Das Maß war voll, er konnte die jahrelangen Demütigungen nicht mehr ertragen“, sagte der Vorsitzende des Schwurgerichts, Lothar Schmitt.
Als fünftes von sieben Kindern eines strengen Vaters kam der Angeklagte 1958 auf die Welt, trotz einer harten Kindheit und einer intellektuellen Schwäche schaffte er es, ein einigermaßen geregeltes Leben zu führen. Zumindest bis Ende Januar 2011: Da beschloss der Angeklagte, sich nach über 30 Jahren voller Spannungen und Konflikte von seinem verhassten älteren Bruder zu befreien. Während der 58-Jährige als schwerer Alkoholiker in den Tag hinein lebte, unter Betreuung stand und mit seinem Verhalten immer wieder die Polizei beschäftigte, arbeitete der Angeklagte viele Jahre lang hart und bewirtschaftete das Weingut.
Trotzdem musste er immer Hohn und Spott von Seiten des Bruders ertragen. Besonders dann, wenn sich mal wieder eine Freundin oder Ehefrau von ihm getrennt hatte. Dann ließ der Bruder durchblicken, er habe dem Angeklagten die Frau ausgespannt. Ob das in allen Fällen der Wahrheit entsprach, konnte in dem Prozess nicht geklärt werden.
Fest steht, dass der Angeklagte seinen Bruder dafür verantwortlich machte, dass sämtliche Beziehungen in die Brüche gingen. Seit 2009 wohnte der 58-Jährige auch noch in einer umgebauten Kelterhalle auf dem Weingut-Grundstück, wodurch sich die Konflikte weiter verschärften. Auch von einem Hausverbot durch den Angeklagten ließ der Alkoholiker sich nicht davon abhalten, immer wieder Kundinnen des Weinguts zu belästigen und zu betatschen.
Aber auch der Angeklagte war kein Unschuldslamm: Seine erste Frau flüchtete mit den vier gemeinsamen Kindern vor ihm ins Frauenhaus. Als er dort mit dem Traktor auftauchte, kam die Polizei und er für drei Tage in die Psychiatrie nach Lohr. Der 55-Jährige ist wegen Körperverletzung vorbestraft. „Es lag nicht nur am Bruder, dass ihm die Frauen wegliefen“, betonte Schmitt.
Schon gar nicht bei einer 51-Jährigen, die zwei Wochen vor der Tat nur deshalb beim Angeklagten einzog, weil sie dringend eine Bleibe suchte. Ein paar Tage später war sie wieder weg, weil ihr die Arbeit im Weinberg und im Haushalt zuviel wurden. Der 55-Jährige, dem ein Gutachter eine Persönlichkeitsstörung diagnostizierte, ging aber wieder davon aus, dass sein Bruder bei der Trennung seine Finger im Spiel hatte. Nach einem Streit verprügelte er den 58-Jährigen mit einem Holzknüppel.
In den Folgetagen kündigte mehrfach an, seinen Bruder, der wegen der Schläge Anzeige der der Polizei erstattet hatte, töten zu wollen. „Ich zahle ihm zurück, was er mir angetan hat“, sagte er zu einer seiner Schwestern. Am Abend des 27. Januar war es soweit: Der 55-Jährige schlug seinem Bruder den Schädel ein, trat ihm anschließend in die Genitalien, schleifte den Körper dann in den Keller und legte ihn in einen leeren Weintank, den er anschließend mit Wein und Wasser füllte. Bei der „brutalen Bestrafungsaktion“ so Schmitt, habe der 55-Jährige im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit gehandelt.
Vorbestrafter Schönheitschirurg verliert die Approbation
Eigentlich wollte ein mittlerweile 78 Jahre alter Schönheitschirurg aus Düsseldorf vor dem Würzburger Verwaltungsgericht gegen den Widerruf seiner Approbation vorgehen. Doch dann erschien der mehrfach vorbestrafte Mediziner nicht zu dem Prozess, den er selbst angestrengt hatte, und seine Klagen wurden abgewiesen.
Eigentlich hätte der 78-Jährige, der von sich selbst behauptet, über 2.500 erfolgreiche ambulante Schönheitsoperationen auf der ganzen Welt durchgeführt zu haben, seine Approbationsurkunde längst zurückgeben müssen: Die Approbation ruht nämlich seit einer bestandskräftigen Anordnung der Regierung von Unterfranken vom Juni 2009. Das war ein halbes Jahr, nachdem der Chirurg vom Landgericht Würzburg in zweiter Instanz wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 7.500 Euro Geldstrafe verurteilt worden war. In einer ambulanten Operation in Würzburg hatte der Angeklagte im Jahr 2003 einer 70-jährigen Frau mehr als 18 Kilo Fettgewebe entfernt, mit schlimmen Folgen: Die Operationswunde entzündete sich, die Frau musste anschließend zwei Monate stationär behandelt werden.
Diese Verurteilung genügte der Regierung als Grund, um wegen erwiesener Unzuverlässigkeit das Ruhen der Approbation anzuordnen und von dem 78-Jährigen die Aushändigung der Urkunde zu verlangen. Zur Herausgabe ließ sich der Chirurg, der eigentlich gelernter Biochemiker und Facharzt für Gynäkologie ist, aber auch mit zwei Zwangsgeldandrohungen bisher nicht bewegen. „Die Vorgeschichte zeigt, dass er es mit den Einhaltung von Gesetzen nicht so genau nimmt“, sagte der zuständige Sachbearbeiter der Regierung von Gericht.
Bestätigt wurde das im Dezember 2009, wieder vom Würzburger Landgericht, nach über 8 Monaten Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr für den reisenden Mediziner, bei einer Verurteilung zu 17 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Neben einer weiteren vorsätzlichen Körperverletzung durch bei einer Operation im Bauchraum des Patienten vergessenes Verbandsmaterial wurde er wegen dreifachen Betrugs verurteilt. Am Amtsgericht seiner Heimatstadt Düsseldorf kassierte er, ebenfalls 2009, eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung zu 16 Monaten Haft auf Bewährung.
Trotz dieser Vorgeschichte behauptete der 78-Jährige in einem Schreiben, die Entziehung seiner Approbation beruhe auf „Spekulationen, unsinnigen Vermutungen und falschen Anschuldigungen“. Auf einen Auftritt vor dem Verwaltungsgericht verzichtete er, am Urteil der 7. Kammer hätte sein persönliches Erscheinen aber wohl kaum etwas geändert: „Wir gehen aufgrund der Vorkommnisse von Unzuverlässigkeit und Unwürdigkeit aus“, begründete der Vorsitzende kurz und knapp die Klageabweisung.
Bruder getötet: Angeklagter war nicht voll schuldfähig
Ein 55-jähriger Winzer aus Dettelbach (Kreis Kitzingen) war nicht voll schuldfähig, als er Ende Januar 2011 seinen eigenen Bruder brutal erschlagen und die Leiche in einem Weinfass versteckt hat. „Es kam zu einer gewissen Eigendynamik im Kopf“, sagte Psychiater Martin Krupinski von der Uni Würzburg gestern im Mordprozess vor dem Würzburger Landgericht: Aufgrund einer Persönlichkeitsstörung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Winzer seinen vier Jahre älteren Bruder im Zustand der erheblich eingeschränkten Steuerungsfähigkeit erschlagen hat.
Warum es zu der Tat kam, fasste am Donnerstag ein 75 Jahre alter Nachbar zusammen, der die Brüder von Kindesbeinen an kennt: „Sie waren wie Kain und Abel.“ Die Rolle des bösen Kain nahm dabei in den Augen des Zeugen eindeutig der Getötete ein: Der Alkoholiker habe seinen Bruder immer wieder provoziert und geärgert: „Er war immer der Übeltäter.“ Das hat nach den Erkenntnissen des psychiatrischen Sachverständigen auch der Angeklagte so gesehen, und zwar nicht erst in den Tagen und Wochen vor der Tat, als er aus Wut schon einmal mit einem Holzknüppel auf seinen Bruder eingeschlagen hatte.
Spannungen in der Familie gab es schon seit Mitte der 1990er Jahre, als das Erbe des Vaters unter insgesamt 7 Geschwister aufgeteilt werden musste. In dieser Zeit flüchtete auch die erste Ehefrau des Angeklagten in ein Frauenhaus, und er wurde für ein paar Tage in die Psychiatrie in Lohr eingeliefert, nachdem er mit dem Traktor vor dem Frauenhaus aufgekreuzt war und sich eine Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert hatte. Schon damals vermutete der 55-Jährige eine heimliche Beziehung seines Bruders mit der Frau – wie Jahre später auch nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe.
Und als sich dann eine Woche vor der Tat eine Frau, die zuvor 10 Tage bei ihm gewohnt hatte, von dem Angeklagten abwandte, „war das wohl der Auslöser für den Gewaltausbruch gegenüber seinem Bruder“, so Krupinski: „Da kamen auch die Erinnerungen an negative Erlebnisse von früher hoch.“
Winzer gesteht Tötung des eigenen Bruders
In fünf Worten hat der Angeklagte im Brudermord-Prozess vor dem Würzburger Landgericht am Mittwoch zusammengefasst, was ihn dazu brachte, seinen älteren Bruder zu erschlagen: „Mir ist der Kragen geplatzt“, ließ der 54-jährige Winzer aus Dettelbach (Kreis Kitzingen) seinen Verteidiger Hanjo Schrepfer (Würzburg) zu Beginn des 6. Verhandlungstages vortragen.
Details der Tat schilderte der Angeklagte bei seinem Geständnis nicht. Das soll der psychiatrische Sachverständige, mit dem er über Tat und Vorgeschichte gesprochen hat, noch in dieser Woche für ihn erledigen. Das Motiv der Tat hat in seiner kurzen Erklärung ausführlicher geschildert. Demnach hat sich in der Tat eine mehr als 30 Jahre aufgestaute Wut des Winzers auf seinen vier Jahre älteren Bruder entladen: Seit 1978 „hat er mich immer nur schlecht und lächerlich gemacht“.
Glaubt man den zahlreichen Zeugen, durch deren Befragung das Schwurgericht seit 6 Verhandlungstagen die Hintergründe aufzudecken versucht, dann hat der Winzer aus seiner Wut auch nie einen Hehl gemacht und mehrfach angekündigt, seinen Bruder „pulverisieren“ zu wollen. In den Wochen vor der Tat eskalierten die Spannungen offenbar: Der 54-Jährige räumte ein, seinen Bruder schon eine Woche vor dessen Ermordung aus Wut mit einem schweren Knüppel gegen die Beine geschlagen zu haben. Der Getötete versperrte danach aus Angst vor dem 54-Jährigen immer seine Wohnungstür.
Über den Getöteten hatte keiner der Zeugen bisher etwas Positives zu sagen: Der 58-Jährige war Alkoholiker und verbrachte längere Zeit im Gefängnis und im Bezirkskrankenhaus in Werneck. Wenn er betrunken war, wurde er ausfällig und gewalttätig und neigte dazu, Frauen sexuell zu belästigen. Der Angeklagte machte seinen Bruder dafür verantwortlich, dass sich zwei Ehefrauen von ihm getrennt haben.
Außerdem will der 54-Jährige Angst um seine Existenz gehabt haben: Er bewirtschaftete zwar alleine das Familien-Weingut, ist aber nicht der Eigentümer. Der ältere Bruder habe ihm gedroht, ihn vom Hof zu jagen und dafür zu sorgen, dass er unter der Brücke schlafen muss: „Das hat mich sehr verletzt. Ich habe immer nur gearbeitet, und er hat immer mehr getrunken als gearbeitet.“
Dass er selbst auch zu Gewalttätigkeiten neigte, bestätigte seine Ex-Frau am Mittwoch im Zeugenstand: Zwei- oder dreimal sei sie im Laufe der knapp zehnjährigen Ehe vom Angeklagten geschlagen und einmal sogar mit gefesselten Beinen und einem Faß über dem Kopf zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden. Der Prozess wird heute fortgesetzt.
Hintergrund: Brudermord in Dettelbach
Der 54-jährige Winzer hat eingeräumt, am Abend des 28. Januar 2011 seinen älteren Bruder erschlagen und die Leiche in einem leeren Weintank versteckt zu haben, den er anschließend mit Wein auffüllte. Laut Anklage soll er die verschlossene Tür zur Wohnung des Bruders eingeschlagen, den in einem Schlafzimmerschrank versteckten 58-Jährigen aufgespürt und diesem mit einer Eisenstange so lange auf den Kopf geschlagen haben, bis er tot war.
Klare Vorgaben "haben wir bisher nicht zustande gebracht"
Ein neues Kapitel in der schier unendlichen Geschichte der künftigen Entwicklung der ehemaligen Mozartschule und des Kardinal-Faulhaber-Platzes hat der Würzburger Stadtrat aufgeschlagen: Im Umwelt- und Planungsausschuss wurde ein Entwurf für einen erneuten Investoren-Wettbewerb für das Areal diskutiert – allerdings ohne konkretes Ergebnis.
Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake (SPD) als Ausschuss-Vorsitzende ahnte wohl schon, was kommen würde und kündigte den Tagesordnungspunkt als „erste Lesung“ an. Der Hintergrund: 2007 hat der Stadtrat den kompletten Abriss der ehemaligen Mozart-Schule beschlossen. Seit dem Scheitern der „Würzburg-Arcaden“, die der Investor mfi neben dem Hauptbahnhof bauen wollte, in einem Bürgerentscheid im Jahr 2006 ist das Mozart-Areal und der angrenzende Kardinal-Faulhaber-Platz der Wunsch-Standort für ein innerstädtisches Einkaufszentrum, das mehr Kunden in die Domstadt locken soll.
Ein Investorenwettbewerb ist bereits gescheitert, einen Bebauungsplan für das insgesamt 11.000 Quadratmeter große Areal gibt es noch nicht. Im vergangenen Jahr hatte sich die Stadt mit der Mozart-Schule um das Landesmuseum für Bayerische Geschichte beworben (wir berichteten). Nach dem Scheitern der Bewerbung geht es jetzt wieder darum, einen Investor für das Gelände zu finden. Von einem großen innerstädtischen Einkaufzentrum hatte sich der Stadtrat eigentlich bereits Anfang Dezember verabschiedet, als ein von der Verwaltung vorgelegtes „Zentrenkonzept“ zustimmend zur Kenntnis genommen wurde. Darin wird eine Ansammlung „kleinerer, individuell gestalteter Einzelhandelseinheiten“ bevorzugt.
Im ersten Entwurf für den neuen Investorenwettbewerb ist von einer „maßvollen Steigerung von Einzelhandelsflächen“ auf dem Mozart-Faulhaber-Areal die Rede. Der Stadtrat hat in der Vergangenheit als Verkaufsflächen-Obergrenze 14.500 Quadratmeter festgelegt. Für Egon Schrenk (FDP) und Charlotte Schloßareck (Bürgerforum) immer noch die Mindestgröße für ein Einkaufszentrum an dieser Stelle: „Es wurde schon zu viel Zeit verloren, die andere genutzt haben, um aufzurüsten“, betonte Schrenk. Die anderen Fraktionen scheinen eher unschlüssig, auch Baureferent Christian Baumgart bezeichnete die Ausgangslage als „diffus“.
Geht es nach Baumgart, dann soll der neue Wettbewerb potenziellen Investoren ermöglichen, „möglichst viel von ihren eigenen Vorstellungen einzubringen“. Hauptkriterium im Bieterwettbewerb ist bisher der Kaufpreis für das städtische Grundstück. Bis zur endgültigen Ausschreibung sind allerdings noch viele offene Fragen zu klären. „Der Entwurf muss viel präziser und detaillierter werden“, forderte Wolfgang Roth (CSU). Christian Baumgart wäre dankbar, wenn er mit klaren Vorgaben von Seiten des Stadtrats arbeiten könnte: „Das haben wir bisher nicht zustande gebracht.“
"Dinosaurierplanung einstellen"
Gegen die zunehmende Versiegelung von Flächen durch Straßen sowie neue Wohn- und Gewerbegebiete hat sich die Würzburger Kreisgruppe des Bund Naturschutz in Bayern (BN) bei ihrer Jahresbilanz 2011 ausgesprochen. Knapp 21 Hektar verschwanden im vergangenen Jahr in Bayern unter Beton und Asphalt. „Damit müsste Schluss sein. „Es ist genug Platz für Gewerbe und Wohnbebauung vorhanden, es gibt schon viele Leerstände“, sagte Geschäftsführer Steffen Jodl.
Für die Kreisvorsitzende Karin Miethaner-Vent ist es ein „Problem der Uneinsichtigkeit“, in Zeiten des demografischen Wandels weiter unbeirrt auf Wachstum zu setzen: „Dabei wird alles von den Rändern in Richtung der Zentren schrumpfen.“ Beim Straßenbau bezeichnete Miethaner-Vent es als „ein Gebot der Vernunft“, die Planung der umstrittenen B26 neu (die so genannte „Würzburger Westumgehung“) endlich einzustellen.
Zwar glauben die Vorsitzende und Geschäftsführer Jodl schon aus finanziellen Gründen nicht mehr, dass die Straße jemals gebaut wird: Das Projekt ist laut BN weder im Investitionsrahmenplan des Bundes und nicht einmal in der „Liste der weiteren wichtigen Vorhaben“ nach dem Jahr 2015 zu finden. „Die Finanzierung steht in den Sternen, es wird einfach ins Blaue hinein geplant“, so Jodl. Dadurch würden nicht nur Steuergelder verschwendet, sondern auch eine Entlastung der Menschen im Werntal verhindert. Die BN-Kreisgruppe fordert deshalb, wie kürzlich auch die unterfränkischen Grünen, eine sofortige Einstellung der „Dinosaurier-Planung“.
„Nicht glücklich“ ist Miethaner-Vent mit der so genannten „Troglösung“ beim Ausbau der Autobahn A3 im Bereich Würzburg. Nachdem die Befürworter eines Tunnels unter dem Heuchelhof mit ihrer Klage gegen die Planfeststellung aber vor einem Jahr beim Bundesverwaltungsgericht gescheitert sind (wir berichteten), sieht der BN aber keinerlei Möglichkeit mehr, die Tunnellösung zu verwirklichen. Die vorbereitenden Arbeiten haben laut Miethaner-Vent bereits begonnen: „Es werden bereits Häuser abgerissen und Zufahrten zur Baustelle angelegt.“
Den bevorstehenden Ausbau der nach einem Hangrutsch gesperrten Verbindungsstraße „Zeller Bock“ sieht der BN mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Da die Straße verbreitert wird, muss in die Hänge eingegriffen werden. Gleichzeitig wird durch den Ausbau der Straße der Schutz der „Zeller Quellen“ verbessert. „Ich hoffe, es bleibt auch dabei, dass der Zeller Bock nicht mehr von LKW befahren werden darf“, so Miethaner-Vent.
Erfreut ist die Kreisgruppe über ihre mitgleiderentwicklung im vegangenen Jahr: Rund 5.000 Mitglieder und Förderer in 29 Ortsgruppen in Stadt und Landkreis gibt es mittlerweile. „Eine sensationelle Entwicklung, bei dem die Ereignisse in Japan und der Atomausstieg eine wichtige Rolle gespielt haben“, sagt Miethaner-Vent.
2 Millionen Euro für die "Campusbrücke"
„Hubland Süd“ und „Hubland Nord“ heißen die beiden Teile des Uni-Campus hoch über Würzburg, die künftig mit einer kombinierten Fuß- und Radwegbrücke über die viel befahrene Straße „Am Galgenberg“ miteinander verbunden werden sollen. Maximal zwei Millionen Euro hat der Landtag für Planung und Bau bereit gestellt, jetzt ist der Realisierungswettbewerb für das Projekt abgeschlossen.
Gewonnen hat ein Entwurf des Büros „Kolb Rikpe Architekten“ aus Berlin. Die aus zwei nebeneinander angebrachten „Bändern“ bestehende Stahlbeton-Konstruktion überzeugte das Preisgericht als „intelligente Lösung für die Verbindung aller Wegebeziehungen“ und die landschaftliche Einbindung in dem so genannten „grünen Band“, das die beiden Campusteile künftig verbinden soll.
Die Universität hat die Erweiterung ihres Hubland-Campus auf dem Gelände der ehemaligen Leighton-Kaserne der amerikanischen Streitkräfte im April 2011 eröffnet. Der Bau der „Campusbrücke“ soll, wenn alles normal verläuft, im Frühjahr 2013 beginnen: „Wir werden die Planung im Mai fertig haben und dem Ministerium vorlegen“, so Peter Mack, Leiter der Abteilung Universitätsbau im Staatlichen Bauamt.
LGS-Wettbewerb bringt "ganz schöne Hausaufgaben"
Bereits am 2. März tritt das 40-köpfige Preisgericht zu einer ersten Vorbesprechung zusammen, bis zum 15. Juni müssen die Teilnehmer am „landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb“ für die Landesgartenschau (LGS) 2018 ihre Entwürfe eingereicht haben. Über den Inhalt der Auslobung informierten sich am Samstag gut 80 Bürger und Vertreter von Parteien und Organisationen bei einer „Bürgerplanwerkstatt“ in der Franz-Oberthür-Schule.
Der Titel der Veranstaltung war etwas irreführend: Zwar durften die Teilnehmer auch über den Inhalt der Auslobung diskutieren und Ideen äußern, im Mittelpunkt stand aber die Information über die Vorgaben für die Wettbewerbsteilnehmer. In den Auslobungstext eingeflossen sind auch die Vorschläge aus einer ersten Bürgerplanwerkstatt im vergangenen Sommer.
Und das soll auch noch nicht das Ende der Bürgerbeteiligung gewesen sein. Wenn das Wettbewerbsergebnis feststeht – alle Arbeiten werden dann in einer Ausstellung gezeigt – kann sich Oberbürgermeister Rosenthal eine dritte Planwerkstatt vorstellen, um weitere Ideen und Anregungen der Bürger einzuholen, bevor die Stadt mit dem Gewinner des Wettbewerbs in die konkrete Planung einsteigt. „Wir wollen sie alle mitnehmen, damit es unsere Landesgartenschau wird“, sagte Rosenthal.
Er ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr den Ankauf des 95 Hektar großen LGS-Geländes vom Bund unter Dach und Fach zu bringen. Und wenn im August der Sieger des Realisierungswettbwerbs bekannt ist und mit der Planung begonnen werden kann, „dann ist ein weiterer wichtiger Schritt getan“, so der OB.
Es war gar nicht so leicht, kompetente Fachpreisrichter für Wettbewerb zu finden, berichtete Landschaftsplaner Thomas Wirth vom Büro „arc grün“ aus Kitzingen, das die LGS-Planung von Beginn an begleitet: „Namhafte Büros haben abgesagt, weil sie sich selbst am Wettbewerb beteiligen wollen.“ Wirth rechnet nach einer europaweiten Ausschreibung mit 40 bis 50 Teilnehmern. Der Sieger erhält nicht nur ein Preisgeld von 34.000 Euro, sondern auch den Auftrag, die zweite Würzburger LGS nach 1990 zu entwerfen.
Die Aufgabe ist nicht einfach: Gefordert ist ein Entwurf, der die vorgegebenen Eckpunkte Wissenslandschaft, Freizeitlandschaft und Wohnlandschaft aufnimmt, gleichzeitig aber noch Raum für neue Ideen in der weiteren Planung lässt. „Das Ziel ist ein Entwurf, der hinterher noch eine gewisse Flexibilität bei der Planung ermöglich“, so Wirth. Außerdem muss ein guter Übergang zu der im "Rahmenplan Hubland“ bis 2018 vorgesehenen Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft der LGS geschaffen werden.
Berücksichtigen müssen die Wettbewerbsbeiträge auch die Barrierefreiheit des gesamten Geländes, den vorgegebenen Kostenrahmen von 14 Millionen Euro, eventuelle Altlastensanierungen nach der Kasernennutzung und einen Regenwasser-Management-Plan, der zurzeit für das Gelände: „Wasser ist bei jeder Landesgartenschau ein zentrales Thema. Damit müssen sich die Teilnehmern intensiv auseinander setzen. Das sind ganz schöne Hausaufgaben“, betonte Wirth.
120 Oberleitungsmasten müssen überprüft werden
Über eine Woche fuhr im Würzburger Stadtteil Zellerau keine Straßenbahn mehr: Am Nachmittag des 16. Februar stürzte in der Frankfurter Straße ein Oberleitungsmast ohne erkennbares Fremdverschulden um.
Die Ursache ist noch unbekannt, die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) hat in der Zellerau damit begonnen, sämtliche der rund 120 ähnlichen Fahrleitungsmasten im Stadtgebiet einer genauen Prüfung zu unterziehen.
Der umgestürzte Mast aus Beton und Stahl sorgt nicht nur in der Domstadt für Unruhe: „Auch in anderen Städten mit Straßenbahn ist die Fachwelt aufmerksam geworden. Dieser Unfall ist ein einmaliges Phänomen, das bis heute so nicht bekannt war“, sagt WSB-Betriebsleiter Paul Lehmann.
Anfragen aus anderen Städten haben die WSB erreicht, Antworten können Lehmann und seine Mitarbeiter aber noch keine geben: „Den Grund kennen wir bisher nicht, da tappen wir momentan noch im Dunkeln.“
Glücklicherweise wurde niemand verletzt, als der elf Meter hohe und rund 1,5 Tonnen schwere Betonmast plötzlich umkippte, ein parkendes Auto knapp verfehlte und quer über die zu diesem Zeitpunkt unbefahrene Straße und die Straßenbahnschienen stürzte. Ein stadteinwärts fahrender Zug konnte rechtzeitig bremsen und kam 40 Meter vor der Unglücksstelle zum Stehen.
An den Betonmasten links und rechts der Fahrbahn sind die Oberleitungen befestigt, die der Straßenbahn den Strom liefern. Bei dem Unfall sorgte eine Sicherung dafür, dass der Strom abgeschaltet wurde. Die Leitungen blieben unbeschädigt hängen. Die WSB hat einen Hilfsmast aufgestellt, aber der Straßenbahnbetrieb bleibt solange eingestellt, bis alle Masten in der Frankfurter Straße auf ihre Standfestigkeit überprüft sind.
Mit gutem Grund: Ein Teil von ihnen stammt wie der Unglücksmast aus dem Jahr 1962. Jeder Betonmast wird einmal pro Jahr einer Sichtprüfung auf Schäden unterzogen. Mitte der 1990er Jahre wurden in der Zellerau ein Dutzend Masten ausgetauscht.
Jetzt wird noch genauer hingesehen: An allen Masten, die mindestens zwei Meter tief im Boden verankert sind, wurde der Boden aufgegraben und eine Materialprobe entnommen. Der Unglücksmast knickte laut Lehmann knapp unterhalb der Asphaltdecke ab. An den Untersuchungen sind auch die Material-Experten der Landesgewerbeanstalt beteiligt, Resultate liegen bisher noch nicht vor.
Noch wichtiger allerdings ist die aufwändige Zugprüfung, die nicht nur in der Zellerau, sondern im Anschluss an jedem einzelnen Beton-Oberleitungsmast im Stadtgebiet durchgeführt wird. Während die Masten bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getestet werden, müssen sie von Kränen gesichert werden.
Die Frankfurter Straße war deshalb zeitweise komplett gesperrt. Insgesamt hat die Würzburger Straßenbahn im Stadtgebiet rund 400 Fahrleitungsträger aus unterschiedlichen Materialien. Teilweise sind die Oberleitungen an Gebäuden verankert, wie zum Beispiel seit dem vergangenen Jahr in der Oberen Juliuspromenade, wo die Betonmasten aus ästhetischen Gründen entfernt wurden.
Prozess um mutmaßlichen Brudermord: Aussage des Angeklagten angekündigt
Bisher hat der Angeklagte im Prozess um einen mutmaßlichen Brudermord in Dettelbach geschwiegen, dass soll sich am kommenden Mittwoch ändern: „Wir werden am 29. Februar eine Erklärung zur Sache abgeben“, kündigte sein Verteidiger Hanjo Schrepfer (Würzburg) gestern an. Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Lothar Schmitt versucht, dem 54-jährigen Winzer, der vor dem Schwurgericht in Würzburg auf der Anklagebank sitzt, ins Gewissen zu reden: „Es könnte sein, dass wir nicht auf ein Geständnis angewiesen sind. Sie aber vielleicht schon“, sagte Schmitt.
So schweigsam wie auf Anraten seines Anwalts vor Gericht war der 54-Jährige nicht immer: Bei seiner Einlieferung in die Würzburger Justizvollzugsanstalt am 30. Januar 2011 war er deutlich gesprächiger. Weil das Mordopfer, der Bruder des Angeklagten, auch schon Zeit in der JVA verbracht hat, kam einem Beamten der Name bekannt vor und er fragte den Winzer danach. Dessen Antwort: „Der macht euch keine Probleme mehr, dafür habe ich gesorgt. Der hat lange genug andere tyrannisiert.“ Das berichteten gestern drei Justivollzugsbeamte im Zeugenstand.
Ein einschneidendes Erlebnis hatten auch die beiden Männer, die mit dem Winzer am ersten Tag gemeinsam auf der Zelle waren. Ein 48-Jähriger aus Erlangen und ein 28 Jahre alter Österreicher konnten anschließend Details der Tat berichten, die nach Ansicht der Polizei nur der Täter kennen kann. „Ich habe meinen Bruder erschlagen. Der stand mir seit 35 Jahren im Weg“, hat er nach Aussage des Österreichers gesagt. Nach Aussage der Mithäftlinge verdächtigte der 54-Jährige seinen Bruder, ihm den vom Vater geerbten Hof wegnehmen zu wollen. Auch dafür, dass sich zwei Ehefrauen von ihm getrennt haben, gab der Winzer dem 58-Jährigen die Schuld.
Nach wütenden Äußerungen über seinen Bruder habe der Angeklagte dann die Tat in allen Einzelheiten geschildert: Demnach hat er den in einem Kleiderschrank versteckten Bruder aufgespürt, mit einer Eisenstange erschlagen und den Getöteten aus Wut noch in die Genitalien getreten. Die Leiche schleifte er in den Keller, versteckte sie in einem leeren Weintank und füllte anschließend Wein und Chemikalien ein, um die Leiche zu konservieren. Auch Sorgen um seinen 7-jährigen Sohn hat sich der Angeklagte gemacht. Zwischendurch habe er aber auch immer wieder gut gelaunt gewirkt, Witze gemacht und Winzerlieder gesungen. Am Abend versuchte der 54-Jährige dann, sich in der Zelle mit einem Gürtel und Schnürsenkeln an seinem Bett zu strangulieren.
Fußgängerzonen-Erweiterung kommt
Die geplante Erweiterung der Würzburger Fußgängerzone hat am Donnerstag die letzte politische Hürde genommen: Mit 40 zu 3 Stimmen hat der Stadtrat beschlossen, den Autoverkehr aus der Eichhornstraße zu verbannen und die Zufahrt zur Marktgarage in das ehemalige Gebäude der Hypo-Vereinsbank zu verlegen.
Anders als zuvor im Umwelt- und Planungsausschuss stimmte auch die CSU-Fraktion mit Ausnahme von Willi Dürrnagel, dem Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, für das Projekt. Dagegen waren auch Joachim Spatz und Egon Schrenk von der FDP, obwohl Schrenk zuvor in der Debatte betont hatte, „ohne Wenn und Aber“ für eine Erweiterung der Fußgängerzone zu sein. Die Liberalen hatten allerdings ein Problem mit der künftigen Zufahrt zur Tiefgarage unter dem Marktplatz durch die Martinstraße.
Die Zeit für die Entscheidung drängte, denn die Firma s.Oliver, die das ehemalige Bankgebäude für den Einzelhandel nutzen will, steht mit einem Architektenwettbewerb in den Startlöchern. Jetzt kann die neue Tiefgaragenzufahrt, die die Stadt laut Baureferent Christian Baumgart rund 800.000 Euro kosten wird, in die Auslobung aufgenommen werden.
Gleichzeitig wird die Eichhornstraße als Fußgängerzone einen neuen Oberflächenbelag erhalten. In einem zweiten Bauabschnitt wird die angrenzende Spiegelstraße verkehrsberuhigt, insgesamt werden die Kosten für die Maßnahme derzeit auf rund 4,5 Millionen Euro geschätzt.
Weil viel Parksuchverkehr wegfällt, wird laut Baumgart durch die Maßnahme das gesamte Quartier um rund 800 PKW-Fahrten täglich entlastet. Die benachbarten Parkplätze am Parade- und Kardinal-Döpfner-Platz sollen in das innerstädtische Parkleitsystem aufgenommen werden: "Wir wollen dort nur noch den Verkehr, der auch einen Stellplatz findet", so Baumgart.
Übrig bleiben nach aktueller Zählung bis zu 1.100 Fahrzeuge in 24 Stunden, die über die Martinstraße die Marktgarage ansteuern. Davon ließ sich auch die CSU überzeugen, die im Ausschuss wegen ungeklärter Fragen noch dagegen gestimmt hatte. Durch die Erweiterung der Fußgängerzone soll auch die Semmelstraße besser an den Rest der Innenstadt angebunden werden. Außerdem werde dadurch die Attraktivität von Mozart-Areal und Kardinal-Faulhaber-Platz verbessert, wo die Stadt nach wie vor neuen Einzelhandel ansiedeln will, betonte Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD).
15-jähriger Realschüler spricht vor dem Stadtrat
Da staunte der Großteil der knapp 50 anwesenden Würzburger Stadträte nicht schlecht: Ein 15-jähriger Realschüler machte ihnen am Donnerstag in freier Rede klar, was er und andere Jugendliche sich von den Kommunalpolitikern wünschen.
Die Stichworte, die sich Johannes Schiller notiert hatte, füllten gerade mal eine Viertelseite. 15 Minuten Redezeit hatte der Stadtrat dem Gewinner des ersten „Würzburger Wettredens“ zugestanden. Schon beim Wettbewerb im November, als sich der 15-Jährige von der David-Schuster-Realschule im Kabarett „Bockshorn“ gegen elf Konkurrenten durchsetzte, hatte Moderator Urban Priol über die Qualität der Redebeiträge gestaunt.
Jetzt war der Stadtrat mit dem Staunen dran. „Ich bin schon ein wenig aufgeregt“, gab Johannes Schiller kurz vor dem Beginn der Sitzung zu. Seine Nervosität ließ er sich aber nicht anmerken, als er ans Rednerpult im voll besetzten Ratssaal trat und zunächst Oberbürgermeister Georg Rosenthal und seine beiden Stellvertreter Adolf Bauer und Marion Schäfer-Blake begrüßte. Dann legte er los: „Ich wünsche mir eine Jugendvertretung im Stadtrat“, sagte Johannes, der sich seine Themen nach Rücksprache mit Schulkameraden und einer Umfrage auf der Internet-Plattform Facebook ausgesucht hatte.
Neben mehr Mitspracherecht für Jugendliche in der Kommunalpolitik waren ihm zwei Punkte besonders wichtig: Eine Info-Tafel mit allen Angeboten für Kinder und Jugendliche an zentraler Stelle in der Stadt („Es wird viel getan, aber es ist zu wenig bekannt.“) und mehr Geld für die Schulen: „Wir haben an meiner Schule schon die Klassenzimmer selbst gestrichen. Es ist meiner Meinung nach nicht genug Geld für Dinge da, die getan werden müssten.“
Dafür gab es Applaus vom Stadtrat, ebenso wie beim Thema ÖPNV: „Wenn ich meinen Bus verpasse, muss ich zwei Stunden auf den nächsten warten“ sagte Johannes. Am Ende seiner Rede beschloss der Stadtrat einstimmig, die von ihm angesprochenen Themen weiter zu verfolgen. Und Johannes Schiller war mit seinem Auftritt zufrieden: „Ich glaube, dass es ganz gut angekommen ist.“
Hermann Schneider bleibt Theater-Intendant bis 2017
Hermann Schneider bleibt vier weitere Jahre Intendant des Würzburger Mainfranken-Theaters. Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit, den Vertrag mit dem 49-jährigen Regisseur und Dramaturg bis zum Ende der Spielzeit 2016/2017 zu verlängern.
Schneider ist seit 2004 Intendant des Würzburger Drei-Sparten-Hauses. Der 1962 in Köln geborene Theatermacher studierte studierte Germanistik, Philosophie, Musik- und Theaterwissenschaften in Tübingen und München. Sein Regiedebüt gab er 1990 mit „Hänsel und Gretel“ am Stadttheater Aachen, seither hat er knapp 50 Operninszenierungen erarbeitet.
In Würzburg hat er als Intendant seit der Spielzeit 2004/2005 im Bereich Musiktheater oder Schauspiel jedes Jahr eine Produktion inszeniert, unter anderem Verdis „Rigoletto“ sowie „Thannhäuser“ und „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens ist das Schreiben, insbesondere von Opernlibretti. Für Michael Obst schrieb Hermann Schneider das Libretto „Die Andere Seite“, die Oper wurde 2010 am Mainfranken-Theater uraufgeführt.
„Ich freue mich, dass mein Vertrag verlängert wurde. Ich sehe das als Bestätigung unserer Arbeit“, erklärte Schneider am Freitag gegenbüber unserer Zeitung. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit wird in den kommenden vier Jahren die geplante Sanierung des Mainfranken-Theaters stehen. „Ich bin gespannt auf diese Herausforderung, das ist Neuland für mich. Dass der Stadtrat die Sanierung beschlossen hat, ist ein großer Vertrauensbeweis für unser Theater“, so Schneider.
LGS-GmbH mit Realisierungwettbewerb beauftragt
Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Landesgartenschau (LGS) 2018: Der Konversionsausschuss des Stadtrats hat die Landesgartenschau-Gesellschaft einstimmig beauftragt, einen Realisierungs- und Ideenwettbewerb durchzuführen. Bis Mitte Juni müssen die Wettbewerbsteilnehmer bereits ihre Arbeiten abgegeben haben, das Preisgericht tritt Anfang August zusammen.
Grundlage des Wettbewerbs ist unter anderem eine Planwerkstatt, in der die Bürger ihre Ideen und Vorstellungen für die zweite Würzburger Landesgartenschau nach 1990 einbringen konnten. Beauftragt mit der Durchführung des Wettbewerbs, der rund 260.000 Euro kosten wird, wurde die bestehende „Landesgartenschau Würzburg 1990 GmbH“, die erst noch in eine neue GmbH für die LGS 2018 umbenannt werden muss, wie Umweltreferent Wolfgang Kleiner im Ausschuss erläuterte. Erst danach kann der Durchführungsvertrag mit der „Gesellschaft zur Förderung der Landesgartenschauen mbH“ in München abgeschlossen werden.
Der Siegerentwurf des „landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerbs“, der von der Regierung von Unterfranken mit 146.200 Euro gefördert wird, soll die Grundlage für die Ausführungsplanung bilden. Damit soll nach aktuellem Zeitplan spätestens 2014 begonnen werden. Die Kosten für die Gestaltung des 23 Hektar großen LGS-Geländes und der erforderlichen Parkplätze am Hubland schätzt Kleiner auf rund 14 Millionen Euro. „Damit können wir eine gute und qualitätvolle Landesgartenschau durchführen“, so Kleiner: „Alle Wünsche werden wir aber nicht erfüllen können.“
Nicht in den 14 Millionen Euro enthalten sind der Grunderwerb, Abbruchkosten, Umbau und Sanierung bestehender Gebäude wie Tower und ehemaligen Einkaufszentrum der US-Armee oder für die Anlage von „internationalen Gärten“, nach dem Vorbild der LGS 1990, wie sie in der Bürgerplanwerkstatt angeregt wurden. Auch die Kosten für eine eventuell erforderliche Altlasten-Entsorgung und Kampfmittel-Räumung auf dem Gelände der ehemaligen Leighton Barracks müsste zusätzlich finanziert werden.