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Prozess-Auftakt um verschwundene Akura-Millionen

2011-12-07 @ 14:35 in Juristisches

Untreue und schweren Betrug legt die Staatsanwaltschaft zwei Männern und einer Frau zur Last, die sich seit dem vergangenen Montag vor dem Würzburger Landgericht verantworten müssen. Das Trio bildete die Führungsriege der Würzburger Akura-Firmengruppe und soll zahlreiche Privatanleger mit so genannten „atypisch stillen Beteiligungen“ und Genuss-Scheinen an vier Akura-Gesellschaften um rund 9 Millionen Euro gebracht haben.

Die 6. Strafkammer um den Vorsitzenden Rudolf Brückner rechnet mit einem langwierigen Prozess: Zwei Ersatzschöffen sind dabei, und die Kammer hat bereits Verhandlungstage bis in den März hinein angesetzt. Schon die erste Woche verläuft eher schleppend: Am Montag die Verlesung der umfangreichen Anklageschrift, heute und am Mittwoch wollen die Angeklagten über ihre persönlichen Verhältnisse berichten, und erst am Donnerstag wollen sie zum ersten Mal zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen.

Zwei Männer und eine Frau haben zusammen mit ihren Verteidigern auf der Anklagebank im Schwurgerichtssaal Platz genommen: Hartmut U., ein 42-jähriger Finanzkaufmann aus dem Kreis Würzburg und sein Kollege Dieter H. (49) aus Kitzingen sollen die zentralen Figuren der vier Akura Kapital-Management-Gesellschaften gewesen sein. Die 48-jährige Bilanzbuchhalterin Sandra S. aus Mittelfranken war laut Anklage seit 2008 als Mitglied des Aufsichtsrats und seit September 2009 in einer führenden Rolle an den Betrügereien beteiligt.

Der Anklagesatz ließ an Deutlichkeit nicht viel zu wünschen übrig: Schon bei Gründung der Akura-Gesellschaften hatten Hartmut U. und Dieter H. nach Auffassung von Staatsanwalt Reinhold Emmert nur das Ziel, sich die eigenen Taschen zu füllen. Es sei nie beabsichtigt gewesen, die von den Anlegern eingeworbenen Gelder wie versprochen gewinnbringend zu investieren, so Emmert. Vielmehr sei es den Angeklagten nur darauf angekommen, „sich auf vielfältige Weise erhebliche regelmäßige Einkünfte zu verschaffen“. Soll heißen: Wenn überhaupt, dann wurde nur ein kleiner Teil der Kunden-Gelder angelegt, der Rest floss entweder direkt oder über andere Firmen der Angeklagten auf die Konten der Akura-Bosse.

Von den Vertriebsmitarbeitern und in Hochglanzprospekten wurden hohe Renditen versprochen, in Wirklichkeit schrieben die Firmen der Angeklagten nur Verluste. Das wurde Interessenten an den „atypisch stillen Beteiligungen“ wohlweislich verschwiegen: „Die Anleger erwarben völlig wertlose Beteiligungsrechte ohne jede Möglichkeit der Gewinnerzielung. Mit einer Rückzahlung können sie höchstens in einem geringen Umfang rechnen“, heißt es in der Anklage weiter. Einige frühere Kunden hatten da mehr Glück: Um deren Forderungen erfüllen zu können und um Gewinne auszuzahlen, die es tatsächlich nie gab, sollen die Angeklagten die von neuen Anlegern erhaltenen Beträge benutzt haben – ein klassisches Schneeball-System.

Den ersten Verhandlungstag beendete der Vorsitzende mit einem deutlichen Hinweis an die drei Angeklagten: „Wenn sie verurteilt werden, kann ein Geständnis für die Strafzumessung eine wesentliche Rolle spielen", betonte Brückner. Vor allem der Umstand, dass keine Investitionen getätigt und nicht erzielte Gewinne ausbezahlt, spreche für die erfahrene Wirtschaftsstrafkammer „eine gewisse Sprache“.

Angeklagter spricht bisher nur mit dem Psychiater

2011-12-02 @ 17:50 in Juristisches

 

Foto (c) P.WötzelDass er seine Ehefrau an Heiligabend vor einem Jahr „vorsätzlich getötet“ hat, das hat der 72-jährige Angeklagte im Mord-Prozess vor dem Würzburger Landgericht zugegeben. Warum er nach 33 Jahren mit Messer und Hammer auf die 77-Jährige losging, die in ihrem Wohnort Reichenberg als „Schwester Elly“ bekannt war, bleibt aber auch nach vier Verhandlungstagen weitgehend im Dunkeln. Über seine Beweggründe hat der Angeklagte auf Anraten von Verteidiger Jan Paulsen bisher nur mit einem Psychiater gesprochen. Der Sachverständige will das Ergebnis seines Gutachtens präsentieren, wenn der Prozess am 8. Dezember fortgesetzt wird.

Er sei „seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen“, hat der 72-Jährige dem Psychiater im Vorfeld des Prozesses erzählt. Vor Gericht hat er bisher nur zu seinem Lebenslauf Angaben gemacht, daher ist die Strafkammer auf Zeugen aus dem Umfeld des Paares angewiesen. Doch auch Freundinnen und Verwandte der Getöteten – der Angeklagte hat keine Freunde und keinerlei Kontakt zu seiner Familie – sind teilweise auf Vermutungen angewiesen, wenn sie nach dem Verhältnis des Ehepaares gefragt werden. Der 72-Jährige und seine Frau lebten sehr zurückgezogen, selbst die Nachbarn in dem Reichenberger Dreifamilienhaus hatten kaum Kontakt zu ihnen.

„Schwester Elly“ hatte den damals obdachlosen Angeklagten 1978 kennengelernt, nachdem er in das Krankenhaus eingeliefert worden war, in dem sie als Krankenschwester arbeitet. Seit dieser Zeit hat sich um ihn gekümmert, die Hochzeit fand 1987 statt. „Sie war eine gütige Frau, die sich für ihn aufgeopfert hat“, berichtete eine Schwester vom „Blauen Kreuz“, die das Paar seit einem Vierteljahrhundert kannte. Sie kann sich aber auch an ein Gespräch aus dem Jahr 1993 erinnern, in dem die 77-Jährige bereits von Trennung sprach: „Sie hat Angst vor ihm gehabt.“

Von anderen Zeugen wurde die Frau als der eindeutig dominante Teil der Beziehung bezeichnet, die den Angeklagten bemuttert hat. „Sie konnte herrisch und bestimmend sein und hatte ihn im Griff“, sagte eine 58-jährige Bekannte. Unter anderem habe die Getötete selbst erzählt, dass sie dem alkoholkranken Angeklagten kaum Geld gebe, „damit er keine Dummheiten macht“. Zwei Zeuginnen berichteten, dass die 77-Jährige mit ihrem Mann mehrfach zu Klöstern, Kapellen und Kirchen in ganz Deutschland reiste, in denen der 72-Jährige in jungen Jahren angeblich immer wieder Opfer sexueller Übergriffe wurde.

Auch dass sich in einer Hütte im Wald bei Reichenberg angeblich regelmäßig nackte Menschen trafen, nahm die Frau ihrem Mann offenbar ab: „Sie hat ihm das alles geglaubt“, so eine gute Freundin der Getöteten. Vor Gericht hat der Angeklagte angegeben, seit dem 10. Lebensjahr von den Erzieherinnen in einem Kinderheim und später von der Ehefrau seines Ausbilders regelmäßig missbraucht worden zu sein. Was davon zu halten ist, soll ebenfalls das psychiatrische Gutachten klären.

Hintergrund: Reichenberger Mordprozess
Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten zur Last, seine Ehefrau in den frühen Morgenstunden des 24. Dezember 2010 heimtückisch getötet haben. Der 72-Jährige soll gegen 4.30 Uhr zunächst mehrfach mit einem Messer auf die schlafende Frau eingestochen und sie anschließend mit wuchtigen Hammerschlägen gegen den Kopf getötet haben. Die Leiche der Frau wurde acht Tage später von der Polizei im Schlafzimmer der Wohnung in Reichenberg aufgefunden. Der Angeklagte flüchtete am 31. Dezember ins Allgäu und wurde dort am 3. Januar verhaftet.

 

Ehrensamtskarte auch in Würzburg

2011-11-29 @ 17:40 in Lokales

Foto (c) P.WötzelKeine kommerzielle Rabatt-Karte, sondern verdiente Anerkennung für großes ehrenamtliches Engagement: Ende Juli hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, auch in Würzburg die bayernweite „Ehrenamtskarte“ einzuführen. Vom 1. Dezember an können ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger ihre Ehrenamtskarte beantragen und damit in den Genuss von zahlreichen Vergünstigungen bei den Partnern der Aktion kommen.

Der Landkreis hatte knapp die Nase vorn: Bereits am vergangenen Freitag konnte Landrat Eberhard Nuß in Randersacker Ehrenamtskarten an rund 400 Antragsteller aushändigen. Der erste Würzburger Ehrenamtsabend ist am 15. Februar 2012 im Ratssaal geplant. Mindestens 200 Würzburger, so schätzt Ursula Wichtermann vom Aktivbüro der Stadt Würzburg, werden die erste Anmeldungsphase bis 15. Januar nutzen und eine Ehrenamtskarte beantragen.

Die bekommt jeder, der sich in den vergangenen beiden Jahren insgesamt mindestens 250 Stunden pro Jahr oder 5 Stunden pro Woche ehrenamtlich engagiert hat. In welchem Bereich, das ist egal. Ob als Fußballtrainer für Kinder, in einem Besuchsdienst für Senioren, im Umwelt und Naturschutz, in der Hilfe für Menschen mit Behinderung, in Museen oder in der Jugendkulturarbeit: Ohne ehrenamtliches Engagement geht in unserer Gesellschaft nicht mehr viel.

„Wir haben hier in Würzburg eine gute Kultur des Ehrenamts. Die Karte ist ein wichtiger Baustein zur Förderung ehrenamtlichen Engagements“, betont Sozialreferent Robert Scheller. Und sie ist alles andere als eine simple Rabattkarte: Vergünstigungen erhalten die Inhaber vor allem in Museen, Theatern und anderen kulturellen Einrichtungen.

Als so genannte „Akzeptanzpartner“ sind bisher unter anderem Mainfranken Theater, Central Programmkino, Hafensommer, Mainfränkisches Museum, Museum im Kulturspeicher und das Stadtarchiv mit Vergünstigungen und Freikarten im Boot. Mündlich zugesagt haben auch schon das Museum am Dom, das Afrikafestival und der Kletterwald Einsiedel.

„Wir wollen möglichst alle potenziellen Karteninhaber erreichen“, sagt Katrin Rosenbaum. Sie ist Ansprechpartnerin für Antragsteller und Akzeptanzpartner im Aktivbüro. Bei der Überprüfung des ehrenamtlichen Engagements der Antragsteller arbeitet das Aktivbüro eng mit anderen städtischen Stellen, den Wohlfahrtsverbänden und Vereinen zusammen. Keinen Nachweis muss erbringen, wer bereits die Jugendleiter-Card „Juleica“ sein Eigen nennt.

Die Ehrenamtskarte gilt übrigens nicht nur in Würzburg, sondern auch bei den Akzeptanzpartnern in allen anderen bayerischen Städten und Gemeinden. Der Freistaat hat für die Inhaber Ermäßigungen beim Besuch aller bayerischen Schlösser und staatlichen Museen im Angebot.

Alle Informationen im Internet unter „wuerzburg.de/ehrenamtskarte“.

Christian Ude: Defizite, Kehrtwendungen und Desaster der CSU

2011-11-28 @ 13:42 in Politik

3 bayerische SPD-Oberbürgermeister. Foto (c) P.WötzelRückendeckung aus dem bayerischen Norden für den designierten Landtags-Spitzenkandidaten der bayerischen SPD: Zum Auftakt einer Reihe von Partei-Konferenzen in ganz Bayern war Christian Ude am Samstag in Würzburg zu Gast. „Es war ein besonders spektakulärer Auftakt, die Stimmung war begeisternd“, sagte Ude nach der dreistündigen Veranstaltung mit sozialdemokratischen Bürgermeistern und Landtagsabgeordneten aus den drei fränkischen Regierungsbezirken.

„Ich habe heute ein neues Bild von der fränkischen SPD bekommen: Ich habe sie als geschlossene Formation in Aufbruchstimmung erlebt“, betonte der Münchner Oberbürgermeister, der im Herbst 2013 neuer bayerischer Ministerpräsident werden will. Die Genossen aus dem Norden Bayerns hätten ihm „eine faire Chance gegeben, dazu zu lernen“, sagte der 64-Jährige in Anspielung auf seinen Faux-Pax im Oktober, als er Aschaffenburg in einem Interview kurzerhand vom bayerischen Untermain nach Oberfranken verlegt hatte: „Nur ABC-Schützen verwechseln Oberfranken mit Unterfranken“, räumte Ude ein.

Beim „Tag der Franken“, einer SPD-internen Arbeitssitzung unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Presse, sei es seine Hauptbeschäftigung gewesen, gut zuzuhören. Gleichzeitig habe er deutlich gemacht, dass sich die BayernSPD nach 55 Jahren in der Opposition ab sofort als künftige Regierungspartei verstehe: „Deshalb sollten wir im Wahlkampf auch nur Versprechungen machen, die wir auch tatsächlich einhalten können, weil wir in die Situation kommen werden, sie erfüllen zu müssen“, sagte Ude. Die SPD müsse außerdem die ohne Zweifel vorhandenen Erfolge der CSU anerkennen, um dann realistisch über Defizite, unverständliche Kehrtwendungen und Desaster sprechen: zu können „Das werde ich jetzt zwei Jahre lang tun. Die Politik der CSU ist beliebig und unberechenbar geworden.“

Neben Bildungsgerechtigkeit, Ausbau von Universitäten und Kleinkindbetreuung sowie Abschaffung der Studiengebühren will sich die SPD vor allem auf die Stärkung des ländlichen Raums und gleichwertige Lebenschancen in ganz Bayern als Themen im Wahlkampf konzentrieren. „Die Landespolitik muss strukturpolitische Maßnahmen angehen“, betonte Ude. Besonders geeignet seien dafür, gerade im ländlichen Raum, die Erneuerbaren Energien. In diesem Bereich habe der Süden des Freistaats gegenüber Franken einen Nachholbedarf: „In Südbayern sucht man wie die Prinzessin auf der Erbse immer nur den Nachteil, statt die Notwendigkeiten der Zukunft zu erkennen.“

Ude werde sich im Wahlkampf auf die Unterstützung der Franken verlassen können, betonten Nürnbergs OB Ulrich Maly und Würzburgs Stadtoberhaupt Georg Rosenthal. Die SPD werde ab sofort „nicht mehr über Streitigkeiten im eigenen Laden“ reden“, sondern sich statt dessen fröhlich, unverzagt und unverkrampft präsentieren, betonte Maly. Rosenthal bezeichnete Christian Ude als Identifikationsfigur, wie er selten eine erlebt habe: „Die Sozialdemokratie steht hinter ihm und ist bereit zu kämpfen. Aber es wird ein langer und harter Weg.“ Spekulationen über Posten in einem Schattenkabinett für Maly und Rosenthal wiesen beide zurück.

Kaiserstraße ist Sanierungsgebiet

2011-11-26 @ 13:38 in Lokales

Foto (c) P.WötzelNeue Erkenntnisse sind es nicht, die das Büro „Schulten Stadt und Raumentwicklung“ (SSR) aus Dortmund bei seinen Untersuchungen für ein „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“ (ISEK) für Würzburg in Sachen Kaiserstraße festgestellt hat: Die frühere Flaniermeile zwischen Hauptbahnhof und Stadtzentrum habe ihren „ehemals repräsentativen Charakter“ verloren und weise erhebliche Gestaltungs- und Funktionsmängel auf, stellen die SSR-Planer fest.

Das soll nicht so bleiben: Am 1. Dezember soll der Stadtrat das 2,15 Hektar große „Sanierungsgebiet Kaiserstraße“ förmlich als Satzung beschließen und die Stadtverwaltung damit beauftragen, die 1,4 Millionen Euro teure Umgestaltung umzusetzen. Die Zeichen dafür stehen günstig: Im Umwelt- und Planungsauschuss gab es keinerlei Diskussionsbedarf, das Projekt wurde einstimmig abgesegnet. Baureferent Christian Baumgart ist erleichtert: „Damit kommen wir endlich voran und können 2012 beginnen.“

Bereits 2008 hatte die Stadt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Eingangstor der Innenstadt durchgeführt. Schon damals erinnerte Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) daran, dass es seit gut 15 Jahren Bestrebungen gebe, die Kaiserstraße aufzuwerten. Noch liegt der endgültige SSR-Bericht nicht vor, aber an der vorläufigen Bewertung dürfte sich nicht mehr viel ändern: Trotz ihrer herausragenden Bedeutung für die Innenstadt stelle die Kaiserstraße „eine städtebaulich-gestalterische Lücke“ dar.

Zu viel Werbung im Straßenraum, eine uneinheitliche Gestaltung der Werbemittel, eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Passanten durch Auslagen der Geschäfte auf viel zu schmalen Gehsteigen und ein fehlendes Gesamtkonzept hinsichtlich Beleuchtung und Straßenmöblierung haben die Dortmunder Experten unter anderem vorgefunden. Bis Ende 2013 soll die Straße wieder im alten Glanz erstrahlen und dafür nicht nur neue, barrierefreie Oberflächen bekommen. Unter anderem ist geplant, die Gehwege abzusenken, die Flächen für die Auslagen-vor den Geschäften einheitlich zu regeln und Fahrradständer und eine neue Beleuchtung zu installieren.

Rund 550.000 Euro der Gesamtsanierungskosten von 1,4 Millionen Euro können auf die Grundstückeigentümer umgelegt werden. Bleiben 850.000 Euro, die zum Teil aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ gefördert werden. Wichtige Fördervoraussetzung war die Einführung eines „Quartierfonds“ (Höhe: 50.000 Euro), an dem sich die in der Kaiserstraße ansässigen Geschäfte beteiligt haben, und eines Straßen-Managements für die kommenden beiden Jahre (Kosten: 70.000 Euro), die der Stadtrat bereits im Frühjahr auf den Weg gebracht hat.

Streit um Parkplätze am Röntgenring

2011-11-25 @ 13:30 in Lokales

Foto (c) P.WoetzelMit Behinderungen müssen die Autofahrer im kommenden Jahr auf einer der am meisten befahrenen Straßen der Domstadt rechnen: Auf der südlichen Seite des Röntgenrings – befahren von durchschnittlich 30.000 Fahrzeugen täglich – werden die Würzburger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe (WVV) neue Fernwärme-Leitungen verlegen. Während der Großbaustelle kann der Verkehr Richtung Berliner Ring nur einspurig rollen, die Baustellenzufahrt wird über den Gehweg abgewickelt.

Und weil die Stadtverwaltung die Buddelei der WVV dazu nutzen möchte, den viel zu schmalen Fuß- und Radweg entlang des Röntgenrings zwischen Pleichertor- und Klinikstraße neu zu gestalten, kam es im dafür zuständigen Umwelt- und Planungsausschuss zu einer intensiven Diskussion. Drei Varianten wurden vorgeschlagen, und Baureferent Christian Baumgart machte keinen Hehl daraus, dass er an dieser Stelle eine Version bevorzugt, bei der die 52 kostenlosen PKW-Stellplätze zwischen Rad- und Gehweg ersatzlos entfallen. Dadurch würde es möglich werden, den Gehweg auf 2 Meter und den Radweg auf 1,80 Meter zu verbreitern sowie einen 50 Zentimeter breiten Sicherheits-Streifen zwischen Fahrbahn und Radweg anzulegen.

„An dieser Planung führt kein Weg vorbei“ betonte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Matthias Pilz. Seine Fraktion kämpfte kürzlich bei den Haushaltberatungen mit Erfolg für sechsstellige Summen für den Ausbau des Würzburger Radwege-Netzes. Kontra bekamen Baumgart und Pilz allerdings von Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD), der die Stellplätze unbedingt erhalten und sie zwischen die Straße und einen kombinierten Rad- und Gehweg legen möchte. Auf eine Kampf-Abstimmung verzichtete der Ausschuss,die Entscheidung wurde vertagt, bis die OB-Variante genauer untersucht worden ist.

"Seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen"

2011-11-24 @ 14:15 in Juristisches

Foto (c) P.Wötzel„Vermutlich aus einem zwischenmenschlichen Grund“ hat ein 72-Jähriger Mann aus Reichenberg (Kreis Würzburg) an Heiligabend im vergangenen Jahr seine 77-jährige Ehefrau im Schlaf mit einem Messer attackiert, schwer verletzt und dann mit einem Hammer erschlagen. So steht es in der Anklageschrift, und am ersten Verhandlungstag vor dem Würzburger Landgericht waren nähere Details über Tathergang und Motiv vom Angeklagten nicht zu erfahren.

Zutreffend sei, dass der 72-Jährige seine Frau „vorsätzlich getötet hat, ohne dass dafür ein rechtfertigender Grund vorlag“, sagte Verteidiger Jan Paulsen am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer. Mehr will der Angeklagte erst erzählen, wenn er noch einmal mit dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Detlef Blocher über die Hintergründe der Tat gesprochen hat. Immerhin: Im Vorfeld des Prozesses hat er Blocher bereits gesagt, er sei „seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen“.

Auch was er erlebte, bevor er seine Frau 1978 in einem Krankenhaus in Schwetzingen kennenlernte, war alles andere als ein Zuckerschlecken: Bereits im Alter von zwei Jahren wurden er und 13 Geschwister auf verschiedene Kinderheime verteilt, nachdem der Vater im Krieg gefallen war. Seit dem 22. Lebensjahr lebte der Angeklagte meistens als Obdachloser auf der Straße. Nach einem Herzinfarkt lernte er in der Klinik seine spätere Ehefrau kennen, die dort als Krankenschwester arbeitete.

Anfang der 1990er Jahre wurde ihm ein Gehirntumor entfernt. 2002 verlor er Magen, Milz und Gallenblase, weil ihm in einer Gaststätte in Nördlingen versehentlich eine ätzende Flüssigkeit serviert wurde. Auch Speiseröhre und Stimmbänder wurden in Mitleidenschaft gezogen: Der 72-Jährige kann nur leise sprechen, und wegen seines Gesundheitszustandes kann immer nur wenige Stunden am Stück verhandelt werden. Eine Alkoholtherapie hat er ebenfalls hinter sich. Seither trinkt er weniger als früher, vor der Verätzung hat er soagr als Gruppenleiter beim „Blauen Kreuz“ gearbeitet. „Alkohol hat mit dieser Tat nichts zu tun“, betonte Verteidiger Paulsen.

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es hinter den Türen der Wohnung in Reichenberg nicht so harmonisch zuging, wie es das Paar nach außen zeigte. Viel konnte Martin Hinterseer von der Würzburger Kripo bei seinen Ermittlungen in der Gemeinde und beim Blauen Kreuz nicht herausfinden: „Sie haben sehr zurückgezogen gelebt. Sie war wohl die Dominierende, die ihn sehr umsorgt, aber auch gegängelt hat.“

Den Lebensunterhalt bestritt das Paar vom Vermögen der Frau, der Angeklagte bekommt nur 198 Euro Rente pro Monat. Schon ein gutes halbes Jahr vor der Tat „wollte ich aus allem raus“, sagte der 72-Jährige. Im Juni 2010 hob er 5.000 Euro ab, versuchte eine Entführung vorzutäuschen und blieb danach eine Woche verschwunden. Als er dann am 31. Dezember 2010 erneut 2.000 Euro vom Konto seiner Frau holte und mit dem Auto ins Allgäu fuhr, lag die Leiche der 77-Jährigen bereits seit einer Woche unberührt im Schlafzimmer.

Nachbarn, die am 24. Dezember um 4.19 Uhr Hilferufe und dumpfe Schläge aus der darüber liegenden Wohnung gehört hatten, und der Bruder der Getöteten informierten schließlich die Polizei. Die Beamten drangen am Abend des 1. Januar 2011 in die Wohnung ein und fanden die Leiche der 77-Jährigen. „Ihr Schädel war massiv eingeschlagen“, sagte ein Beamter im Zeugenstand. Die Anklage geht davon aus, dass der 72-Jährige seine schlafende Frau zunächst mit einem Messer attackierte und immer wieder auf Kopf und Hals einstach. Anschließend soll er sie mit wuchtigen Hammerschlägen getötet haben. Er wurde am 3. Januar im Allgäu festgenommen und sitzt seither in Würzburg in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt.

88-Jährige brutal überfallen - 5 Jahre Haft

2011-11-23 @ 17:03 in Juristisches

Zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung hat das Würzburger Landgericht am Donnerstag einen 35-jährigen Mann aus Bochum verurteilt, der sich nach den Worten seines Verteidigers zu einem brutalen Raubüberfall auf eine 88-jährige Rentnerin „überreden“ ließ.

Der Angeklagte und ein Mittäter brachen am Abend des 5. November 2011 eine Tür auf und drangen mit Sturmmasken vermummt in die Wohnung der allein lebenden Rentnerin in Volkach (Kreis Kitzingen) ein. Der Begleiter des Angeklagten schlug der alten Dame ins Gesicht und fesselte ihre Füße mit einem Kabelbinder. Mit der Drohung, sie zu töten, brachte er das eingeschüchterte Opfer dazu, ihm den Standort ihres Tresors und das Versteck des Schlüssels zu verraten.

Mit Brillantschmuck im Wert von rund 40.000 Euro entkamen die Täter, die 88-Jährige konnte mit gefesselten Füßen zum Telefon kriechen und die Polizei und einen Nachbarn zu Hilfe rufen. Körperlich blieb die heute 89-jährige Frau unversehrt, psychisch leidet sie heute noch sehr unter der Tat: „Ich bin viel alleine und erschrecke bei jedem Geräusch“, sagte sie im Zeugenstand.

Dass bei der Rentnerin etwas zu holen war, wussten die Täter von einem anderen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der sie einige Zeit vor der Tat aufgesucht und ihr wertvolles Porzellan und Schmuck abgekauft hatte. Für seinen Tipp bekam er von den Tätern einen Anteil an der Beute.

Dass der Angeklagte ein Geständnis ablegte, war im vorliegenden Fall nicht ganz selbstverständlich: Ermittelt wurde er aufgrund einer am Tatort festgestellten DNA-Spur. Die freilich führte nicht zu ihm, sondern zu seinem eineiigen Zwillingsbruder. Weil die DNA von eineiigen Zwillingen so gut wie identisch ist, „war der Kreis der möglichen Täter auf zwei Personen eingeschränkt“, sagte der Vorsitzende der 1. Strafkammer, Lothar Schmitt.

Kein Geständnis abzulegen, wäre für den 35-Jährigen trotzdem „ein Spiel mit dem Feuer gewesen“, betonte Schmitt: Denn das Handy des dreifachen Familienvaters aus Bochum befand sich zum Zeitpunkt der Tat in der Funkzelle in der Umgebung des Tatorts. Seine Mittäter nannte der mehrfach vorbestrafte Arbeitslose - er sitzt seit Anfang April in Untersuchungshaft - nicht. Sein Geständnis genügte trotzdem, seine Strafe deutlich zu reduzieren: „Sonst wären es 8 bis 9 Jahre geworden“, sagten Schmitt und Staatsanwalt Rene Uehlin übereinstimmend.

Kritik übte der Vorsitzende an den nordrhein-westfälischen Amtsgerichten, die den 35-Jährigen bei seinen insgesamt sechs Vorstrafen, die meisten davon wegen gemeinschaftlichem schweren Diebstahl, nicht gerade hart angefasst haben: „Es wäre besser gewesen, früher schon einmal eine höhere Strafe auszuwerfen. Dann wäre diese Tat vielleicht nie geschehen“, so Schmitt.

Mord-Motiv liegt "vermutlich im zwischenmenschlichen Bereich"

2011-11-22 @ 09:54 in Juristisches

Das Motiv bleibt noch im Dunkeln: Ein 72-jähriger Mann aus Reichenberg (Kreis Würzburg) hat am Dienstag gestanden, nach 33 Ehejahren an Heiligabend 2010 seine 77-jährige Ehefrau „vorsätzlich getötet“ zu haben. Über Hintergründe und Verlauf der Tat schweigen sich der Angeklagte und Verteidiger Jan Paulsen bisher aus.

Die Anklage geht davon aus, dass der 72-Jährige die schlafende Frau am Morgen des 24. Dezember 2010 kurz vor 4.19 Uhr mit einem Messer attackiert und mehrfach auf Kopf, Hals und Brust eingestochen hat. Als die 77-Jährige hochschreckte, soll er ihr einen Schnitt quer über den Hals zugefügt haben. Anschließend habe der Angeklagte seiner Frau mit einem Hammer mehrmal wuchtig gegen den Kopf geschlagen und sie dadurch getötet, so Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen. Das Motiv sei „vermutlich im zwischenmenschlichen Bereich“ zu suchen.

Der Angeklagte hat dazu bisher keine Angaben gemacht, er möchte erst mit einem Psychiater über die Hintergründe der Tat sprechen. Am Dienstag hat der 72-Jährige bestätigt, dass er bei einer Untersuchung im Vorfeld des Prozesses dem Sachverständigen erzählte, er sei „seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen“. Kennengelernt haben sich Täter und Opfer im Jahr 1978, als der damals obdachlose Mann nach einem Herzinfarkt in eine Klinik in Schwetzingen eingeliefert wurde, in der die Frau als Krankenschwester arbeitete.

Den Lebensunterhalt bestritt das Paar, das in Reichenberg sehr zurückgezogen lebte, vom Vermögen der Ehefrau. „Sie war wohl die Dominierende, die ihn sehr umsorgt, aber auch gegängelt hat“, so Martin Hinterseer von der Würzburger Kriminalpolizei. Ein gutes halbes Jahr vor der Tat hatte der Angeklagte 5.000 Euro abgehoben und eine Entführung vorgetäuscht, um von seiner Frau weg zu kommen. „Ich wollte aus allem raus“, sagte er dazu vor Gericht.

Als Polizisten nach einer Vermisstenanzeige des Bruders der Getöteten acht Tage nach der Tat, am Abend des 1. Januar 2011, in die Wohnung des Ehepaares eindrang, fanden die Beamten im Schlafzimmer die noch unberührte Leiche der Frau. „Ihr Schädel war massiv eingeschlagen“, sagte ein Beamter im Zeugenstand. Der Angeklagte hatte am Tag zuvor 2.000 Euro vom Konto der Ehefrau abgehoben und war ins Allgäu geflohen. Dort wurde er am 3. Januar 2011 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Am Hotelturm tut sich seit heute auch außen was

2011-11-21 @ 15:13 in Lokales

Foto (c) P.Wötzel

 

Seit Montag sind die Arbeiten am unvollendeten Hotelturm in der Schweinfurter Straße auch von außen sichtbar: Arbeiter haben damit begonnen, an der Rückfront des 58 Meter hohen Rohbaus einen Außenaufzug zu errichten. Damit wird Material für den Innenausbau in die 17 Stockwerke transportiert, solange die Aufzüge im Inneren noch nicht fertig sind.

Wie mehrfach berichtet, wird der Hotelturm über sechs Jahre nach der Insolvenz des früheren Bauherrn Ibeka jetzt von der „Würzburg Estate S.A.“ für rund 12 Millionen Euero fertiggestellt. Die Bonner Ghotel-Gruppe möchte darin im Herbst 2012 ein Drei-Sterne-Hotel mit 204 Zimmern, 600 Quadratmetern Konferenzräumen, Restaurant und Fitness-Studio eröffnen. Die fehlenden Teile der Glasfassade sollen bis Frühjahr 2012 an Ort und Stelle sein.

Starker Auftritt und verdienter Sieg

2011-11-21 @ 14:59 in Sport

Foto (c) P.WötzelFrauenfußball
2. Bundesliga Süd
10. Spieltag
ETSV Würzburg – 1. FFC Frankfurt 3:0 (1:0)

Einen Spieltag vor Ende der Hinrunde ist Aufsteiger ETSV Würzburg endlich in der 2. Liga angekommen: Mit einer starken Leistung holten sich die ETSV-Frauen im letzten Heimspiel des Jahres gegen die Reserve des 1. FFC Frankfurt am Sonntag einen hochverdienten 3:0-Sieg.

So gut wie gegen den Frankfurter U23-Nachwuchs um die ehemalige Nationalspielerin Tina Wunderlich haben die Eisenbahnerinnen wahrscheinlich zuletzt in der Vorbereitung gespielt, als sie denselben Gegner mit 5:2 besiegten. Trainer Gernot Haubenthal war zum ersten Mal in dieser Saison „mit der Mannschaftsleistung insgesamt zufrieden. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“.

In der ersten Halbzeit sahen die 150 Zuschauer eine Partie auf Augenhöhe, in der beide Teams ihre wenigen Möglichkeiten nicht nutzen konnten. Auf Würzburger Seite verpasste zweimal Romina Kuffner die Chance, die Gastgeberinnen in Führung zu bringen, für Frankfurt brachten Mirella Junker und Jessica Reinhardt den Ball jeweils aus kurzer Entfernung nicht im Würzburger Kasten unter.

Nach einem Freistoß von Christiane Bauer aus dem Mittelfeld war es dann soweit: Die Frankfurterinnen brachten den Ball nicht weg, Jeanette Seitz schnappte sich das Leder und erzielte kurz vor dem Pause das viel umjubelte 1:0 für den ETSV. Damit war die Partie bereits entschieden, denn nach der Pause legte die Haubenthal-Crew in der Defensive noch einmal ein bis zwei Schippen drauf und ließ außer ein paar Weitschüssen von Wunderlich und Co. kaum noch etwas zu. Mit einer Ausnahme: In der 53. Minute hatte Deniz Özer am Elfmeterpunkt den Ausgleich auf dem Fuß, vergab die Chance aber kläglich.

Haubenthal war im Anschluss voll des Lobes für den Kampf und die Einsatzbereitschaft, die seine Schützlinge gezeigt hatten: „Es war von allen eine hohe Laufbereitschaft da, wir haben gut verschoben und die Zweikämpfe angenommen.“ Zwar ging nach vorne in der zweiten Halbzeit wenig, trotzdem geriet der dritte Saisonsieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Es war das erste Mal in dieser Saison, dass beim ETSV hinten die „Null“ stand. „Darüber haben wir uns besonders gefreut. Wir haben als Mannschaft gekämpft und zusammen gewonnen“, sagte Julia Manger, die in der 89. Minute die Entscheidung vorbereitete: Ihre Flanke spitzelte die eingewechselte Melin Niedermayer zum 2:0 über die Linie.

In der Nachspielzeit machte sich dann Martina Honecker nach einem schönen Konter über Carina Breunig und Anika Höß mit dem Treffer zum 3:0 selbst ein Geschenk – sie feiert am heutigen Montag ihren 31. Geburtstag. „Der Sieg für die Mannschaft bedeutet mir viel mehr als mein Tor. Wir haben heute richtig gut dagegen gehalten und Frankfurt kaum ins Spiel kommen lassen“, sagte Honecker, die seit einigen Spielen nicht mehr in der Abwehr, sondern im Mittelfeld zum Einsatz kommt: „So passt es besser, wir haben uns endlich gefunden.“ Durch den dritten Sieg haben die Eisenbahnerinnen die Abstiegsplätze verlassen und wieder Anschluss ans Mittelfeld der 2. Liga Süd. Jetzt fehlen nur noch die ersten Auswärts-Punkte der Saison. Haubenthal, Honecker und Manger sind sich einig: „Das klappt nächste Woche in Crailsheim.“

Die Statistik zum Spiel

Würzburg:

Kübler – Bauer, Gaspar, Held, Hofmann – Honecker, Seitz (90.+2 Markovic), Höß, Breunig – Manger (90. Konrad), Kuffner (83. Niedermayer)

 

Frankfurt:
Kremer – Sirna, Losert, Goerdel, Herbert – Junker, Wunderlich, Reinhardt (46. Panfil), Baumann (46. Sigurdardottir) – Özer, Weinhardt (67. Meyer).

Tore: 1:0 Seitz (42.), 2:0 Niedermayer (89.), 3:0 Honecker (90.+1)

Schiedsrichterin: Ülfet Car (Kirchheim-Teck)

Zuschauer: 150

Unterfrankens Piraten wollen die Kommunalparlamente entern

2011-11-20 @ 09:28 in Politik

Foto (C) P.WötzelWer Diskussionen über Staatstrojaner, Studiengebühren oder andere politische Inhalte erwartet hatte, der wurde enttäuscht: Die unterfränkischen Piraten haben bei ihrem Bezirksparteitag am Wochenende in Würzburg lediglich einen neuen Vorstand gewählt und entschieden, künftig auch kommunalpolitisch aktiv zu werden.

Seit die Piraten im September mit 8,9 Prozent der Stimmen das Berliner Abgeordnetenhaus geentert haben, verzeichnet die Partei einen Mitglieder-Boom. Auch hierzulande: In den vergangenen beiden Monaten sind rund 100 Unterfranken in die Piratenpartei eingetreten und haben die Mitgliederzahl des im Sommer 2009 gegründeten Bezirksverbandes dadurch von 270 auf 370, also um mehr als ein Drittel erhöht. Beim Bezirksparteitag am Wochenende in einem winzigen Konferenzraum im Bürogebäude der Würzburger Frankenhalle war davon noch nicht viel zu spüren: 33 stimmberechtigte Mitglieder waren dabei und wählten einen neuen Bezirksvorstand.

Zeit für politische Themen blieb dabei nicht: Ein paar Satzungsänderungen, Rechenschaftsberichte des bisherigen Vorstands, eine Vorstellungsrunde der Kandidaten für die neue Führung, und dann wurde ein paar Stunden lang gewählt. „Das ist bei uns immer so,“, sagte eine Teilnehmerin: „Über den Inhalt diskutieren wir dann bei einem programmatischen Parteitag.“ Auf unterfränkischer Ebene soll es künftig verstärkt um Kommunalpolitik gehen: Die Piraten haben einstimmig entschieden, bei den Stadtrats- und Kreistagswahlen 2014 anzutreten.

Foto (c) P.Wötzel„Ich werte das als Meldung, dass ihr euch alle daran beteiligen werdet“, sagte der Politische Geschäftsführer Lars Zillger, nachdem alle Delegierten ihre grünen Zettel in die Höhe gehalten hatten. Großes Engagement ist nötig, denn was die Kommunalpolitik anbetrifft, steckt die Piratenpartei in Unterfranken noch nicht einmal in den Kinderschuhen: Der Bezirksverband hat keine Geschäftsstelle, es gibt noch keine Orts- oder Kreisverbände, die politische Arbeit findet an Info-Ständen und bei den Piraten-Stammtischen in Gaststätten statt.

„Bisher fehlt uns die Manpower“, räumt der neu gewählte Bezirksvorsitzende Jürgen Neuwirth ein. Der 27-Jährige aus Frammersbach (Main-Spessart-Kreis) studiert in Aschaffenburg Elektrotechnik und ist Pirat der ersten Stunde. Im kommenden Jahr sollen kommunalpolitische Positionspapiere erarbeitet und ein Programm aufgestellt werden. Zumindest in den unterfränkischen Städten „sollen die Leute sehen, dass wir uns Gedanken um die Kommunalpolitik machen. Wenn wir so weiterwachsen, bin ich auch optimistisch, dass wir bald Ortsverbände haben werden“, so Neuwirth.

Die volle Unterstützung haben die Unterfranken dabei vom bayerischen Landesverband: „Wenn ihr die Möglichkeit habt, bei einer Wahl anzutreten, dann macht das. Ihr könnt nur gewinnen“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Körner. Er ist auch davon überzeugt, dass die Piraten 2013 in den Landtag einziehen werden: „Wir haben gute Chancen, die Umfragen geben uns recht.“ Auf Landesebene sind die Bildungspolitik und das Volksbegehren gegen Studiengebühren derzeit das zentrale Piraten-Thema. Auf einem Parteitag im Frühjahr „werden wir über unser Landeswahlprogramm diskutieren. Wir gründen gerade überall Kreisverbände und bauen unsere Strukturen aus“, so Körner.

Foto (c) P.WötzelFür die Unterfranken geht es erst einmal darum, geeignete Räume für eine Geschäftsstelle zu finden. Geeignet heißt: In zentraler Lage in Würzburg und für den Bezirksverband bezahlbar. Der Parteitag hat seinen neuen Vorstand nach längerer Diskussion beauftragt, sich auf die Suche zu machen.

 

Hintergrund: Der neue Bezirksvorstand der Piratenpartei

7 statt wie bisher 5 Personen stehen an der Spitze der unterfränkischen Piraten: Neuer Vorsitzender ist Jürgen Neuwirth (Bildmitte, 27, Student aus Frammersbach). Er ist der Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Johannes Müller aus Obernburg. Müller räumte in seinem Rechenschaftsbericht ein, aufgrund von Zeitmangel nicht alles geschafft zu haben, was er sich beim Amtsantritt vor zwei Jahren vorgenommen hatte. Das soll bei Neuwirth anders werden: „Die Partei ist eines meiner großen Hobbies, weswegen ich dafür natürlich die Zeit übrig habe“, betont der 27-Jährige.

Sein Stellvertreter ist Jan Bühler (2.v.r., 25, Student, Würzburg). Generalsekretärin ist Beate Kesper (links, 43, Geschäftsführerin, Kitzingen), Schatzmeister ist Albert Barth (rechts, 52, Steuerberater, Haßfurt), die beiden Beisitzer heißen Michael Meier (2.v.l., Rechtsanwalt, Schweinfurt) und Waldemar Nebolsin (3.v.l., 18, Fachinformatiker, Bad Kissingen). Als einziger aus dem bisherigen Vorstand übrig geblieben ist der Politische Geschäftsführer Lars Zillger (3.v.r., 35, Mömbris, Systemadministrator).

ETSV-Frauen wollen auch gegen Frankfurt punkten

2011-11-19 @ 09:58 in Sport

Frauenfußball
2. Bundesliga Süd
10. Spieltag
ETSV Würzburg – 1. FFC Frankfurt II
Sonntag, 14 Uhr
Sportpark Herieden Heidingsfeld

„Vor Weihnachten wollen wir im Mittelfeld sein“, sagt Trainer Gernot Haubenthal vor dem letzten Heimspiel des Jahres der ETSV-Frauen gegen die Bundesliga-Reserve aus Frankfurt. In der Vorbereitung feierten die Eisenbahnerinnen einen deutlichen 5:2-Sieg gegen die Gäste, nach neun Zweitliga-Spieltagen sehen die Vorzeichen anders aus: Zwar haben beide Teams zwei Siege auf dem Konto, der Tabellensiebte aus Frankfurt hat aber durch insgesamt fünf Unentschieden vier Punkte mehr gesammelt als der ETSV.

Frankfurts Trainer Winfried Klein hat in Würzburg drei Punkte im Visier, die Gastgeberinnen haben etwas dagegen: Beim 6:2-Sieg gegen Löchgau „haben wir gezeigt, dass wir es noch können. Jetzt geben wir im Training wieder Gas und wollen auch gegen Frankfurt gewinnen“, sagte Mittelfeldspielerin Anika Höß schon kurz nach dem Schlusspfiff am vergangenen Sonntag. Trainer Gernot Haubenthal kann aus dem Vollen schöpfen und wird erstmals auch drei Nachwuchs-Spielerinnen aus der U17 zur Verfügung haben. „Der Sieg gegen Löchgau war ein guter Anfang, jetzt müssen wir nachlegen. Frankfurt ist ein Spiel auf Augenhöhe, wir wollen die drei Punkte holen“, so Haubenthal.  

Tödlicher LKW-Unfall: Gespann auf dem Standstreifen abgestellt

2011-11-18 @ 09:51 in Juristisches

Er wollte seine Ruhezeiten einhalten und fand auf der A3 als Abstellplatz für sein LKW-Gespann nur den Beschleunigungs- und Standstreifen an der Anschlussstelle Kist: Wegen fahrlässiger Tötung hat das Würzburger Amtsgericht kürzlich einen 53-jährigen Berufskraftfahrer aus dem Allgäu zu 3.500 Euro (70 Tagessätze von 50 Euro) Geldstrafe verurteilt. Ein anderer LKW-Fahrer übersah das am Straßenrand abgestellte Gespann, fuhr ungebremst von hinten auf, wurde im Führerhaus eingeklemmt und starb.

Gut viereinhalb Stunden war der 53-Jährige mit Milch und Joghurt bereits unterwegs, eine Pause war vorgeschrieben am Abend des 2. Dezember 2010. Das Problem: Auf der A3 Richtung Nürnberg waren alle Parkplätze bereits mit LKW besetzt. „Ab dem Spessart standen sie schon vor den Parkplätzen, die Rastanlage Spessart war voll, und auf dem Rasthof Würzburg ist das erfahrungsgemäß genauso“, sagte der Angeklagte vor dem Amtsgericht. Er hat 27 Jahre Berufserfahrung und wollte seine Lenkzeit nicht überschreiten. Deshalb entschied er sich dafür, das 18 Meter lange Gespann ganz rechts auf dem Pannenstreifen abzustellen. Ein kleiner Teil des Anhängers stand auf dem Beschleunigungsstreifen. „„Ich dachte, da richte ich am wenigsten Schaden an. Das war ein fataler Irrtum“, so der 53-Jährige.

Warum das Unfallopfer ebenfalls eine durchgezogene Linie überfuhr und ungebremst von hinten auf das abgestellte Gespann auffuhr, statt auf seiner Fahrbahn zu bleiben, auszuweichen oder wenigstens zu bremsen, lässt sich nicht mehr klären. „Es ist zu vermuten, dass er eingeschlafen und von der Fahrbahn abgekommen ist“, spekulierte der Verteidiger. Staatsanwaltschaft und Gericht erkannten kein schwerwiegendes Fehlverhalten des Angeklagten: Der 53-Jährige habe in seiner Situation „nichts anderes gemacht als viele seiner Kollegen in unserem Bereich. Er hat das kleinere Übel gewählt und gedacht, es wird schon gut gehen“, betonte die Vorsitzende, die von einem „erheblichen Mitverschulden“ des Getöteten ausging.

Die Anwälte von Eltern und Ehefrau des Opfers hatten kein Verständnis dafür, dass der Angeklagte, der auch heute noch unter den Folgen des Unfalls leidet, gegen einen ohnehin schon recht milden Strafbefehl Einspruch einlegte. Dem 53-Jährigen ging es, wie immer in solchen Fällen, um die Reduzierung des 3-monatigen Fahrverbots: „Wenn ich mehrere Monate nicht fahren kann, dann werde ich auf der Straße sitzen.“ Die Richterin hatte Verständnis und reduzierte das Fahrverbot auf einen Monat. Der Unfall sei „eine unglückliche Verkettung von Umständen mit dramatischen und schwer wiegenden Folgen“ gewesen.

Fertigstellung des Hotelturms hat begonnen

2011-11-14 @ 19:44 in Lokales

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Auch wenn von außen noch nichts zu sehen ist: Nach über sechsjähriger Unterbrechung der Bauarbeiten hat in dieser Woche die Fertigstellung des Hotelturms in der Schweinfurter Straße in Würzburg begonnen. Harro Grimmer, Prokurist der „Meding Plan + Projekt GmbH“ (MPP) aus Hamburg, die das Projekt seit Anfang Mai betreut, bestätigte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung, dass die mehrwöchige „Bau-Anlaufphase“ begonnen hat und im Inneren des 58 Meter hohen Rohbaus bereits fleißig gearbeitet wird.

Bereits Anfang August hatte Grimmer im Rahmen einer Besichtigung eines im Rohbau eingerichteten Musterzimmers mit Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal bekannt gegeben, dass die Finanzierung des Projekts gesichert ist. Es fehle lediglich die Freigabe der Mittel zur Ausschreibung der einzelnen Gewerke. Jetzt ist es soweit: „Das Baubüro im Hotelturm ist eingerichtet, die Aufträge für die Fertigstellung der Fassade und die Aufbauarbeiten sind vergeben“, so Grimmer.

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Hinter der grün verspiegelten Glasfassade wird also schon gearbeitet, von außen ist davon allerdings nur wenig wahrzunehmen. Erst wenn – laut Grimmer noch vor Ende des Monats – hinter dem 17-stöckigen halbfertigen Gebäude ein Außenaufzug installiert wird, werden die Bauarbeiten auch für Passanten und Autofahrer in der Schweinfurter Straße sichtbar. „Das ist bisher sehr unspektakulär, obwohl schon sehr viel passiert“, erläutert Grimmer.

Der Außenaufzug wird gebraucht, um Material zum Innenausbau an Ort und Stelle zu transportieren, bis im Frühjahr die Aufzüge im Inneren einsatzbereit sind. Für die Montage der fehlenden Fassadenteile in den beiden obersten Stockwerken wird ein großer Kran benötigt. Die Glasbauteile waren seit dem Baustopp im Jahr 2005 bei einer Firma in den Niederlanden gelagert und können laut Grimmer aufgearbeitet und verwendet werden.

Die Kosten für die Fertigstellung des Hotelturms schätzt der MPP-Prokurist auf rund 12 Millionen Euro, die Bauzeit auf ein gutes Jahr. Eröffnet werden soll das Drei-Sterne-Haus der GHOTEL-Gruppe mit 204 Zimmern und Appartements, zwei Konferenz-Geschossen (insgesamt 600 Quadratmeter), Restaurant und Fitness-Studio demnach „im Herbst 2012“, so Grimmer.

„Die Maßnahme läuft in enger Abstimmung mit der Stadt. Alle Genehmigungen liegen vor, die Fortsetzung der Bauarbeiten wurden uns angezeigt“, bestätigte Stadtbaurat Christian Baumgart. Auch Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) freut sich: „Mein Dank geht an den Investor Karim Mawji: Er hat das Versprechen, das er mir persönlich gegeben hat, trotz der schwierigen Situation, die durch die internationale Finanzkrise entstanden ist, eingelöst“, so Rosenthal im Gespräch mit unserer Zeitung. Und auch seine Wette, das „GHOTEL hotel & living“ in Würzburg werde noch in diesem Jahr fertig, hat der OB noch nicht verloren gegeben: Der Bauherr hat ihm angeboten, noch vor Jahresende eine Nacht als Gast im Hotelturm verbringen zu können.

Zahlen und Fakten: Der Würzburger Hotelturm
Gleich drei Würzburger Stadtoberhäupter hat die deutschlandweit bekannte Bauruine beschäfigt: Geplant und genehmigt wurde der Hotelturm unter OB Jürgen Weber (Würzburger Liste), begonnen wurden die Bauarbeiten 2002 kurz nach Beginn der Amtszeit von Pia Beckmann (CSU), fertig gestellt wird er unter Georg Rosenthal (SPD). Nach der Insolvenz des ursprünglichen Bauherrn Ibeka, einer Tochterfirma der dubiosen Euro-Gruppe, mussten die Arbeiten Anfang 2005 eingestellt werden. Der heutige Eigentümer „Würzburg Estate S.A.“ des indischen Investors Karim Mawji kaufte den Rohbau im Frühjahr 2006 für rund 10 Millionen Euro.

Zweite Amtszeit für Muchtar Al Ghusain

2011-11-11 @ 17:54 in Lokales, Politik

Er hat sich in seiner ersten Amtszeit nicht nur Freunde in der Domstadt gemacht, aber den Stadtrat hat er mit großer Mehrheit hinter sich: Würzburgs Kultur-, Schul- und Sportreferent Muchtar Al Ghusain (48) wurde mit nur 5 Gegenstimmen für weitere sechs Jahre in seinem Amt bestätigt.

In geheimer Abstimmung sprachen sich 33 von 46 anwesenden Stadträten für den zweifachen Familienvater aus, dessen zweite Amtszeit am 1. September 2012 beginnen wird. 8 Stimmzettel waren ungültig, 5 Ratsmitglieder schrieben den Namen „Hannelore Vogt“ auf den Zettel – die ehemalige Leiterin der Würzburger Stadtbücherei, heute Chefin der Kölner Stadtbibliothek, hatte vor 6 Jahren überraschend deutlich gegen Al Ghusain den Kürzeren gezogen. Der 48-Jährige bedankte sich ausdrücklich bei der damaligen Oberbürgermeisterin Pia Beckmann, die ihn damals am Vorabend der Wahl davon abhgehalten hatte, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Vor der aktuellen Abstimmung hatte ein bisher unbekannter Verein mit Namen „Kulturforum Mainfranken“ versucht, die Wiederwahl des Kulturreferenten zu verhindern. In einem von Rechtsanwalt Wolfgang Baumann verbreiteten Schreiben wurde der Stadtrat aufgefordert, die Wahl zu vertagen, bis „ein für die Kulturstadt Würzburg angemessener Referent gefunden werden kann“.

Das „Kulturforum“ bezeichnet sich als „Zusammmenschluss von kulturaktiven und kritischen Kunstliebhabern“ und setzt sich offenbar aus Menschen zusammen, die unter anderem dem ehemaligen Würzburger Generalmusikdirektor Jin Wang hinterhertrauern. Wie berichtet, wurde der Chinese im Januar von der Anklage, eine junge Musikstudentin sexuell genöigt zu haben, nach dem Grundsatz " in dubio pro reo" rechtskräftig freigesprochen. Bei der Einleitung des Ermittlungsverfahrens, das dann auch zur fristlosen Entlassung des Dirigenten führte, spielte Al Ghusain eine entscheidende Rolle.

Auch dass er sich 2007 gegen eine Konzertreise des Würzburger Orchesters nach China zu den Olympischen Spielen aussprach, wird dem Kulturreferenten weiterhin zur Last gelegt. Der Stadtrat ließ sich von dem vierseitigen Pamphlet des "Kulturforums" nicht beeindrucken. Al Ghusain habe als Referent für gleich drei Bereiche hervorragende Arbeit geleistet, sagte SPD-Fraktionschef Hans-Werner Loew. Seine Kollegen Thomas Schmitt (CSU) und Matthias Pilz (Grüne) schlossen sich an. Aus den drei Fraktionen kamen auch die meisten Stimmen für Al Ghusain.


Muchtar Al Ghusain
Der alte und neue Würzburger Kultur-, Schul- und Sportreferent wurde am 22. Juli 1963 als Sohn einer Deutschen und eines Jordaniers in Kuwait geboren, zog mit seiner Familie im Alter von 7 Jahren nach Deutschland und wuchs in der Region Würzburg auf. An der Würzburger Musikhochschule machte er als Pianist 1990 seine Abschluss als Diplom-Musiker. Nach Tätigkeiten als Leiter einer Musikschule und des Kulturbüros in Schwäbisch-Gmünd und als Abteilungsleiter im niedersächsischen Kulturministerium trat er am 1. September 2006 sein Amt als „berufsmäßiger Stadtrat“ in Würzburg an. In diesem Jahr war er entscheidend am Übergang des städtischen Mozart-Schönborn-Gymnasiums in evangelische Trägerschaft beteiligt.

Oberleitungsfreie Straßenbahn überzeugt nicht

2011-08-31 @ 19:29 in Lokales, Linie 6

Oberleitungen und Masten vor historischen Gebäuden oder durch Parks sind kein schöner Anblick. Ein Umstand, der die Renaissance der Straßenbahn hier und dort bremst. Zum Beispiel in München, wo eine geplante Trambahnlinie durch den denkmalgeschützten Englischen Garten auf massive Kritik stößt. Bei der geplanten neuen Straßenbahn in Würzburg scheitert der oberleitungsfreie Verkehr vor der fürstbischöflichen Residenz an den Kosten.

Eine Lösung gibt es: Die Stadler Pankow GmbH, ein Tochterunternehmen der Schweizer Stadler Rail Group, liefert den Stadtwerken München einen Straßenbahnzug, der sich ohne Oberleitung mit in Lithium-Ionen-Batterien gespeichertem Strom fortbewegen kann. Und das nicht nur über einige hundert Meter. Kürzlich meldete das Unternehmen die Rekordfahrt einer mit Akkus ausgestatteten „Vario-Tram“: 19 Kilometer lang bewegte sich die 40 Tonnen schwere, mit allerlei technischem Gerät und 15 Personen besetzte Straßenbahn auf einer Teststrecke fort, ohne „Saft“ aus der Oberleitung entnehmen zu müssen. Das bedeutete einen Eintrag ins Guiness-Buch. Schwer zu knacken war der bisherige Rekord von einem Kilometer allerdings nicht.

Schnell scheint die Akku-Tram aber nicht auf die Gleise der Ballungszentren zu kommen. Eine oberleitungslose Schienenstrecke durch den Englischen Garten stößt in München auf Skepsis, etwa beim Kultusminister und Münchner CSU-Vorsitzenden Ludwig Spaenle. Gleichwohl haben die Stadtwerke der Landeshauptstadt schon einmal eine für den zeitweisen Akku-Betrieb umgebaute Straßenbahn bestellt.

Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) hatte kürzlich andere Varianten als die normale Straßenbahn als technisch noch nicht ausgereift und für den Betrieb nicht zugelassen bezeichnet. Eine Meinung, die man beim Hersteller nicht teilt. Die Straßenbahnen müssten ohnehin alle einzeln vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen werden, heißt es dort. Die Mehrkosten für eine Akku-Straßenbahn wollte eine Stadler-Sprecherin allerdings nicht beziffern. Das könne man wegen der ganz unterschiedlichen Ausstattungen, die für Trambahnen geordert werden, nicht sagen.

Die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB), die die neue Strecke durch den Stadtteil Frauenland hinauf zur Universität am Hubland plant, weiß es besser: Benötigt werden für die neue Trasse 17 Straßenbahnen. 8 davon werden neu angeschafft, 9 Alt-Fahrzeuge müssten für den oberleitungsfreien Betrieb umgerüstet werden. Allein das kostet nach der Kalkulation der WSB pro Tram bis zu einer Million Euro, etwa ein Viertel des Anschaffungspreises für einen neuen Zug.

Auch für die Stadt Würzburg und die WSB wäre eine oberleitungsfreie Tram „an stadtbildprägenden Stellen grundsätzlich sehr erstrebenswert“, teilte der städtische Pressesprecher Georg Wagenbrenner auf Anfrage mit. Der Markt werde ständig beobachtet, es habe bisher aber noch keine oberleitungsfreie Variante überzeugen können: „Das Gesamtpaket muss stimmen. Es ist kein Geheimnis, dass in unseren Überlegungen die Kosten eine entscheidende Rolle spielen.“ Derzeit fehlt dem Gesamtprojekt – im vergangenen Monat hat der Stadtrat die WSB beauftragt, die Planfeststellung zu beantragen – noch das erforderliche Kosten-Nutzen-Verhältnis, das eine Förderung durch den Bund ermöglichen würde.  

Lokführer streitet Nickerchen ab

2011-08-25 @ 19:41 in Juristisches

Über fünf Jahre ist der Unfall her, aber die juristische Aufarbeitung ist noch immer nicht abgeschlossen: Drei Menschen wurden verletzt, als in den frühen Morgenstunden des 30. März 2006 eine Rangierlok auf Überführungsfahrt zwischen Veitshöchheim und Würzburg mit einem Güterzug kollidierte. Der Lokführer der Rangierlok wurde im vergangenen Juli vom Würzburger Amtsgericht wegen vorsätzlicher Gefährdung des Bahnverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Jetzt kämpft er vor dem Landgericht in der Berufungsinstanz um einen Freispruch.

Staatsanwaltschaft und Amtsgericht gehen davon aus, dass der heute 67-jährige Angeklagte nach 28 Stunden fast ununterbrochener Fahrt von Hattingen bei Düsseldorf Richtung Dinkelscherben bei Augsburg im Führerhaus eingeschlafen, zwei Haltesignale überfahren hat und deshalb auf das falsche Gleis geriet. Ursprünglich erhielt der ehemalige Beamte der Deutschen Bundesbahn einen Strafbefehl über 3.600 Euro (90 Tagessätze von 40 Euro) Geldstrafe, gegen den er Einspruch einlegte.

Nach fünf Verhandlungstagen und einem Ortstermin in Dinkelscherben, um die Rangierlok in Augenschein zu nehmen, sprach Amtsgerichtsdirektor Roland Stockmann vor einem Jahr das Urteil, gegen das der 67-Jährige Berufung einlegte. Er bestreitet weiterhin, bei der Fahrt eingeschlafen zu sein und spricht von einem "Abwesenheitstrauma", das er sich nach eigenen Worten nicht erklären kann: "Irgendwann kam der Blackout, ich kann mich an nichts mehr erinnern." In seinen 35 Berufsjahren als Lokführer sei er nie eingeschlafen, so der Mann aus dem Rheinland, der zum Zeitpunkt des Unfalls 62 Jahre alt war.

Die Rangierlok, die in den Wochen zuvor in Hattingen frisch lackiert worden war, sollte er im Auftrag einer Privatfirma nach Dinkelscherben bei Augsburg überführen. Da die Lok nur eine Höchstgeschwindigkeit von 38 Stundenkilometern schafft, war eine lange Fahrzeit eingeplant. Deshalb habe ein zweiter Lokführer den erste Teil der Fahrt bis Friedberg in Hessen übernommen, behauptete der Angeklagte im ersten Prozess und zunächst auch vor dem Landgericht.

Inzwischen hat er zugegeben, von Anfang an alleine unterwegs gewesen zu sein. Eine Übermüdung hält er trotzdem für ausgeschlossen. Schließlich habe er kurz vor dem Unfall im Bahnhof von Gemünden einen kurzen Aufenthalt gehabt und dort im Führerhaus geschlafen, so der 67-Jährige.

Kreuzbergwallfahrt: Von Gebet und Gemeinschaft getragen

2011-08-24 @ 19:20 in Lokales

Foto (c) P.WötzelGut 173 Kilometer zu Fuß, und das an den fünf wohl heißesten Tagen des Jahres: Am Mittwoch sind knapp 600 Kreuzberg-Wallfahrer nach ihrem Fußmarsch zum heiligen Berg der Franken zurückgekehrt und in Würzburg mit der traditionellen Zwiebel-Kirchweih in der Semmelstraße empfangen worden.

Erschöpft, aber glücklich: Das stand den meisten der 570 Männer und Frauen ins Gesicht geschrieben, als sie von Verwandten und Freunden mit Blumen in der Hand empfangen und in die Arme geschlossen wurden. Bei Temperaturen teilweise über 30 Grad im Schatten gibt’s für erfahrene Wallfahrer nur eins: „Trinken, trinken, trinken, literweise. Und Sonnenschutz ist natürlich ganz wichtig. Es war ziemlich heiß und auch sehr schwül“, berichtete die 47-jährige Maria Bittner aus Wernfeld bei Gemünden. Sie war zum vierten Mal bei der Kreuzberg-Wallfahrt dabei.

Los ging es am Samstag um 4 Uhr früh mit dem ersten Gottesdienst im Würzburger Neumünster, dann nahmen die Wallfahrer – am ersten Tag sollen es über 600 gewesen sein – in der Morgendämmerung die ersten Kilometer unter die Füße. Bis zum Abend ging es 49 Kilometer bis nach Euerdorf, die längste und härteste der fünf Wallfahrt-Etappen.

Am späten Sonntagnachmittag trafen die Pilger nach insgesamt 86 Kilometern am Kreuzberg in der Rhön ein, auf dem der Frankenapostel Kilian im Jahr 686 der Legende nach das Kreuz errichtet haben soll. Auf ihrem Weg werden die Pilger vielerorts freundlich begrüßt.

In Euerdorf, Burkardroth und anderen Ortschaften nehmen die Menschen die Wallfahrer zur Übernachtung auf. Gepäck für fünf Tage müssen sie nicht schleppen: Die Koffer und Reisetaschen werden mit Bussen transportiert.

Für Maria Bittner war die Hitze kein Problem: „Das Gebet und die Gemeinschaft trägt einen weiter“, so die 47-Jährige: „Aber es ist nicht einfach nur beten und laufen. Es sind die vielen kleinen Dinge, die man zusammen auf dem Weg erlebt. Es ist einfach bewegend, in vielen Momenten.“

Von den gefüllten Gläsern und dem Bratwurst-Duft in der Semmelstraße ließen sich die Wallfahrer übrigens bei ihrer Ankunft wie immer nicht aufhalten: Erst ging es noch zum traditionellen Abschluss-Segen der Wallfahrt ins Neumünster. Erst danach war Zeit für Zwiebelkuchen und Federweißer.

Zahlen und Fakten: Würzburger Kreuzberg-Wallfahrt
Der alljährliche Fußmarsch von Würzburg über 173 Kilometer zum Kreuzberg in der Rhön ist die älteste Wallfahrt in Franken. Sie geht auf den Dreißigjährigen Krieg zurück: Im Jahr 1647 vereinigten sich zwei fromme Gemeinschaften zur „Bruderschaft zum Heiligen Kreuz in Würzburg“. Seither führt die Bruderschaft, nur unterbrochen von einem Verbot im Dritten reich, jedes Jahr vom 20. bis 24. August die Wallfahrt zum Heiligen Berg der Franken durch. Die Bruderschaft hat derzeit rund 2.300 Mitglieder. Die diesjährige Kreuzberg-Wallfahrt stand unter dem Motto „Folge seiner Spur“.

Hochwasserschutz soll noch in diesem Jahr fertig werden

2011-08-15 @ 19:19 in Lokales

Die Baumaßnahme läuft unter dem Stichtwort „Hochwasserschutz“ und wird Würzburg auf der innerstädtischen Mainseite eine neu gestaltete Uferpromenade direkt am Fluss bescheren: Zwischen der Reibeltgasse und der Sanderglacisstraße sollen die Arbeiten am Willy-Brandt-Kai noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Dann werden die Stadt und der Freistaat Bayern seit dem Start der Bauarbeiten im Jahr 2005 für den Hochwasserschutz zwischen Alter Mainbrücke und dem Arbeitsamt zusammen weit über 20 Millionen Euro ausgegeben haben. Die Gesamtkosten für den aktuellen Bauabschnitt belaufen sich nach Angaben der Stadt auf rund 12 Millionen Euro. Mit dem Hochwasserschutzes wird der Mainkai zur Uferpromenade mit neugestalteten Grünanlagen und Radwegen umgestaltet, die Parkplätze werden neu geordnet.

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